Jahresserie

Wie Barrieren die Schule und das Lernen prägen

Hindernisse machen das Leben manchmal mühsam, gehören aber dazu. BILDUNG SCHWEIZ hat ihnen seine Jahresserie gewidmet. Der Hürdenlauf geht nun zu Ende.

High Angle View Of Man At Bottom Of Spiral Staircase
Manchmal geht es einfach darum, den ersten Schritt zu tun. Foto: iStock/EyeEme Mobile Gmbh

Die Barriere ist eine starke Metapher. Sie hält auf, erschwert das Leben und zwingt auf Umwege. In der nun zu Ende gehenden Jahresserie hat BILDUNG SCHWEIZ mit über 30 Artikeln geschaut, wie Barrieren aller Art das Schul- und Bildungswesen prägen. Das erforderte viel Hinschauen und Zuhören. Denn Geschichten mit Barrieren erzählen oft von menschlichen Erlebnissen und Schicksalen.

Barrieren und menschliche Schicksale

Einer, der seine Stimme für mehr Barrierefreiheit erhebt, ist SP-Nationalrat Islam Alijaj. Eine Muskelerkrankung erschwert ihm die Bewegung und das Sprechen. Im Alltag begegnet er vielen Hindernissen. Diese seien jedoch nicht immer nur physisch. «Oft beginnen diese in den Köpfen von Mitmenschen», betont er im Interview. Schon als Kind sei er deswegen oft unterschätzt worden.

Eine Geschichte, die viele Leserinnen und Leser berührt hat, ist jene von Lars Ziörjen. Der Lehrer und Schulleiter geriet im Arbeitsalltag an seine Grenzen. Er engagierte sich gern und viel – bis es nicht mehr ging. «Ich funktionierte wie eine Maschine», sagt er rückblickend. Nach dem Burn-out musste er sich wieder aufrappeln und lernen, Pausen einzulegen. «Einmal täglich richtig atmen», fasst er seinen neu gefundenen Rhythmus zusammen. Lehrpersonen brauchen eine ausgewogene Work-Life-Balance. Das ist auch ein Fazit der Miniserie über Grenzen im Lehrberuf. Unser Autor sprach mit Beratungsstellen von kantonalen Lehrpersonenverbänden.

Mit fünf Anrainerstaaten bietet die Schweiz viele Geschichten über Grenzen und Barrieren. BILDUNG SCHWEIZ sprach auch mit einer Schülerin aus der Schweiz, die in Deutschland zur Schule geht, und mit einem deutschen Lehrer, der in der Schweiz unterrichtet. Als Grenzgängerin und Grenzgänger nehmen sie gewisse Hindernisse in Kauf. Die Schülerin mag das Konzept ihrer Privatschule mit der individuellen Lernzeit, die sie in der Schweiz so nicht hatte. Der Lehrer wiederum geniesst, dass er eine engere Beziehung zu den Lernenden pflegen kann, als das im deutschen System möglich wäre.

Der Lerneffekt

Wer einmal nach Barrieren sucht, findet sie plötzlich überall. Sogar in der Biologie gibt es welche. Sie spielen beim Lernen eine wichtige Rolle. Beim Lernprozess muss ein Spalt zwischen den Nervenzellen überwunden werden. Stark vereinfacht gesagt: Chemisch-elektrische Reaktionen müssen die Zellen verbinden, um Wissen zu schaffen. Im Artikel dazu betont Lernforscherin Elsbeth Stern, dass Lehrpersonen die Prozesse zwar verstehen, aber nicht im kleinsten biologischen Detail kennen müssen. So helfe es, zu wissen, dass das Langzeitgedächtnis eine wichtige Basis für weiteres Lernen bilde. Stern empfiehlt beim Einstieg in neue Themen, das Vorwissen gezielt zu aktivieren. Belohnung und Strafen hingegen helfen nicht dabei, neues Wissen zu schaffen. Sie dienen höchstens dem Ändern schlechter Angewohnheiten.

Barrieren, besonders jene im Kopf, sind also nicht zu unterschätzen – beim Lernen sowie im Umgang mit Mitmenschen. Manche schützen uns sogar vor gefährlichen Situationen. So gesehen sind Barrieren nicht immer schlecht. In Erinnerung bleiben meist jene Geschichten, in denen Hindernisse überwunden wurden. Das sind Geschichten voller Inspiration, die aber auch zeigen, dass es nicht immer gelingt. Da sind Menschen wertvoll, die hinsehen, zuhören und helfen, Barrieren zu überwinden. 

Autor
Patricia Dickson

Datum

25.02.2026

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