Früher oder später werden in der Schule Leistungen beurteilt. Darum kommen weder Schülerinnen und Schüler noch Lehrpersonen herum. Oft geschieht dies mit Tests, die mit Noten bewertet werden. Der im März herausgekommene neue Bildungsbericht lässt daran keine Zweifel aufkommen: In den allermeisten Kantonen gehören ab der Mittelstufe Zeugnisse mit Noten dazu. Davor setzen viele auf Lernberichte ohne Noten. Im Bericht wird darauf hingewiesen, dass es bei Noten zu systematischen Verzerrungen kommen kann. Andere Beurteilungsformen änderten daran jedoch nichts: Man müsse davon ausgehen, dass dies auch bei alternativen Methoden so wäre.
Die Daten zeigen, dass Noten systematisch mit Merkmalen wie Geschlecht und Sprachhintergrund zusammenhängen: Deutschsprachige Mädchen werden bei derselben Leistung besser bewertet als fremdsprachige Knaben. Nimmt man nur jene Mädchen aus den leistungsschwächsten Klassen und jene Knaben aus den leistungsstärksten, klafft die Bewertung noch stärker auseinander, nämlich um mehr als eine halbe Note – und dies, wie erwähnt, bei objektiv betrachtet vergleichbarer Leistung (siehe Grafik). Ähnliche Untersuchungen gibt es laut Oggenfuss auch für andere Kantone, etwa Genf oder Tessin.

