Insgesamt zeigt sich laut Autorinnen und Autoren des Bildungsberichts, dass nicht nur der Migrationshintergrund eine zentrale Rolle spielt, sondern auch die Erstsprache. Während die Zuteilung in Klassen für Fremdsprachige nachvollziehbar sei, «sollte die Erstsprache bei der Zuteilung in Sonderschulen keine Rolle spielen».
Der Weg zurück ist steinig
Weshalb diese Befunde schwer wiegen, zeigt sich am weiteren Verlauf der Schulzeit: Mit zunehmendem Alter wird die Rückkehr in die Regelschule schwieriger. Wer auf der Unterstufe in einer Einführungsklasse ist, wo man die Unterrichtssprache erlernt, hat zwar insgesamt intakte Chancen. Wer in der Oberstufe eine Sonderklasse besucht, kehrt hingegen nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 28 Prozent zurück in die Regelklasse. Wer eine Sonderschule besucht, bleibt sogar meist bis ans Ende seiner Schulzeit dort, wie eine Auswertung im Bildungsbericht zeigt: Nur gerade fünf Prozent gelingt vor dem Schulaustritt noch der Übertritt in eine Regelklasse.
An anderer Stelle wird im Bildungsbericht an Forschungsarbeiten erinnert, welche die Wirkung der integrativen Beschulung evaluierten: Inklusive Schulen mit heterogenen Klassen schneiden gemäss diesen Ergebnissen sowohl bei den schulischen Leistungen als auch bei der späteren Integration in den Arbeitsmarkt besser ab als separative Schulformen. Dies gilt für Kinder mit Förderbedarf ebenso wie für besonders begabte.
Eine gleichmässige Verteilung reduziert potenziell negative Auswirkungen auf Mitschülerinnen und Mitschüler und beeinflusst die Schullaufbahn der Kinder mit besonderen Massnahmen positiv.
Die aktuellen Diskussionen um die Tragbarkeit der integrativen Schule sind aber auch den Autorinnen und Autoren des Bildungsberichts von der Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) nicht entgangen. Wie sie betonen, hängen die erwähnten positiven Wirkungen mit der Verteilung von integrierten Kindern ab.
In der Bildungsforschung konnte nämlich auch gezeigt werden, dass ab einem Anteil von 20 Prozent die positiven Effekte ins Negative kippen. Darum müsse eine möglichst gleichmässige Verteilung angestrebt werden. Dies wiederum würde sowohl «potenziell negative Auswirkungen auf Mitschülerinnen und Mitschüler reduzieren als auch die Schullaufbahn der Kinder mit besonderen Massnahmen selbst positiv beeinflussen».
Die Umsetzung der integrativen Schule unterscheidet sich im 15. Jahr nach dem Inkrafttreten des Sonderpädagogikkonkordats von Kanton zu Kanton – und damit auch der Anteil von integrierten Schülerinnen und Schülern. Er reicht je nach Kanton von knapp 80 Prozent bis zu wenigen Prozentpunkten.