BILDUNGSBERICHT

Digitalisierung bleibt ein wichtiges Bildungsthema

Der Bildungsbericht 2026 zeigt, was das Bildungssystem leistet. An der Medienkonferenz stellte man dem Schulsystem ein gutes Zeugnis aus. Die Abschlussquote bei nachobligatorischen Ausbildungen müsse aber noch besser werden.

Schülerinnen und Schüler sitzen im Unterricht.
Alle vier Jahre vermittelt der Bildungsbericht ein Bild davon, was im Schweizer Bildungssystem läuft. Foto: iStock/manonallard

Seit 20 Jahren liefert der Bildungsbericht umfassende Daten zum Zustand des Schweizer Schulsystems. Die Stimmbevölkerung hatte der Einführung des Bildungsmonitorings im Mai 2006 mit 85 Prozent zugestimmt. Den Pilotbericht hatten Bund und Kantone damals schon vorsorglich in Auftrag gegeben. So erschien der erste, noch inoffizielle, Bildungsbericht bereits im Dezember 2006. Es folgte eine neue Version alle vier Jahre. An einer Medienkonferenz in Bern wurde am 23. März nun der sechste Bericht von Bundespräsident und Bildungsminister Guy Parmelin, Christophe Darbellay, Präsident der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren und Stefan Wolter, Direktor der schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, vorgestellt.

«Das Ziel ist ambitioniert, aber es bleibt richtig.»

Parmelin, Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung, verwies auf ein zentrales Ziel der Bildungspolitik. So sollen 95 Prozent aller 25-Jährigen einen Abschluss auf der Sekundarstufe II erreichen. Dieses Ziel ist allerdings noch nicht erreicht. Die Quote ist sogar von 91,5 auf 90,1 Prozent leicht gesunken. Die Autorinnen und Autoren des Berichts betonen jedoch, dass sie seit Jahren auf stabil hohem Niveau bleibe. Parmelin räumte ein, dass diese Quote eine Herausforderung ist: «Das Ziel ist ambitioniert, aber es bleibt richtig.» Eine Lösung sieht er im Stellenwert der Berufsbildung. So sei die Quote gerade in jenen Kantonen höher, wo auch die Berufsbildung ein höheres Ansehen geniesse. Dies sei unter anderem in der Zentral- und in der Ostschweiz der Fall.

Die Karriere der Digitalisierung

Der Bildungsbericht selbst schlägt keine bildungspolitischen Massnahmen vor. Er dient Bund und Kantonen als Grundlage für Entscheidungen. Die Autorinnen und Autoren verzichteten auf ein starres System, das inhaltlich immer gleich vorgeht, auch wenn das einen Vergleich jeweils vereinfachen würde. Das habe einen entscheidenden Vorteil: So könnten neue Entwicklungen berücksichtigt werden. Tatsächlich greift der Bericht nun auch Themen auf, die vor 20 Jahren noch keine Erwähnung fanden. Dies gilt nicht zuletzt für künstliche Intelligenz (KI). 

Beiträge zum Bildungsbericht 2026

Im Webmagazin bildungschweiz.ch werden in den folgenden Wochen verschiedene Beiträge zu einzelnen Themen aus dem Bildungsbericht publiziert.
Schon erschienen: 

«Trotz angespannter Lage auf dem Arbeitsmarkt viele Kleinpensen»

«Fremdsprachige werden viel häufiger separiert»

Stefan Wolter, der mit seinem Team den Bildungsbericht verantwortet und ihn im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation erstellt, fasst es so zusammen: «KI wirbelt einiges auf.» So würden Tools wie Chat-GPT eher jene Berufe verändern, wo Menschen eine hohe Affinität für Weiterbildung haben. Zuvor habe die Automatisierung vor allem Berufe mit weniger Nähe zu Weiterbildung betroffen, was auch die berufliche Neuorientierung erschwert. 

«KI wirbelt einiges auf.» 

Die Digitalisierung hat in den letzten 20 Jahren viel verändert. Sogar der Umgang damit ist einem steten Wandel unterworfen. Zu Beginn habe man Digitalisierung gefördert, damit Schweizer Schulen den Anschluss nicht verpassten, so Wolter. Unterdessen sei man etwas vorsichtiger, denn in anderen Ländern zeigten sich auch Nachteile dieser Entwicklung. Wolter betont: «Die Schweizer Schule ist nicht durchdigitalisiert.» Während Schweden und Dänemark die Digitalisierung an Schulen rückgängig machen, rät  Wolter davon ab, alles Technische aus der Schule zu verbannen. Denn Umfragen hätten gezeigt, dass Schülerinnen und Schüler das Lernen mit digitalen Mitteln mehr Spass bereite. Das sei auch wichtig.

Mobbing in verschiedenen Formen

Ein anderer Aspekt der Digitalisierung ist die Nutzung von Social Media. Der Bildungsbericht 2026 zeigt eine Zunahme an problematischer Nutzung besonders bei Mädchen zwischen 11 und 15 Jahren. Diese kann sich als Kontrollverlust, als Verhaltensänderung oder in Form sozialer Konflikte zeigen. Über 10 Prozent der Mädchen schätzen ihr Nutzungsverhalten als problematisch ein. Bei den gleichaltrigen Knaben sind es weniger als 5 Prozent. Verglichen mit den Nachbarländern hat die Schweiz allerdings insgesamt die tiefsten Werte.

Ebenfalls ein eher neueres Thema sind Mobbing respektive Cybermobbing. Der Bildungsbericht beruft sich unter anderem auf die Pisa-Studie.  Je nach Mobbingform berichten zwischen 2 und 13 Prozent der 15-Jährigen, mehrmals pro Monat oder häufiger von Mobbing betroffen zu sein. Gemäss Bericht erleben Mädchen dies häufiger in verbaler oder sozialer Form. Dabei werden etwa Gerüchte verbreitet oder Betroffene bewusst ausgegrenzt. Bei Knaben kommt es eher zu körperlicher Aggression. Im virtuellen Raum sind Mädchen häufiger Opfer als Täterinnen. Die Autorinnen und Autoren vermuten, dass Mädchen online eher Opfer von männlichen Tätern werden. Konkrete Daten dazu gibt es aber nicht.

Der langfristige Blick

Die Daten des Bildungsberichts stammen unter anderem aus internationalen Studien wie dem Bildungsmonitoring Pisa und HBSC (Health Behaviour in School-aged Children), aus der James-Studie und vom Bundesamt für Statistik. Sie geben den Status Quo wieder, ermöglichen aber auch Aussagen über künftige Entwicklungen. Besonders im Hinblick auf die Geburtenzahlen und die Anzahl Schülerinnen und Schüler. Ab 2027 rechnen die Autorinnen und Autoren mit einem markanten Rückgang der Schülerzahlen. Dieser wird die einzelnen Stufen allerdings zeitversetzt betreffen.

Auf den ersten Blick stellt der Bildungsbericht dem Schweizer Schulsystem ein gutes Zeugnis aus. Wolter nennt als Beispiel die Auswirkung der Schulschliessung während der Covid-Pandemie. Da habe die Bildungsqualität zwar gelitten. Es sei aber auch schnell wieder Normalität eingekehrt – eher als in den Nachbarländern mit längeren Schulschliessungen. 

Nun, da der Bericht veröffentlicht ist, beginnt die Arbeit der Bildungspolitik. Sie wird auf dieser Grundlage neue Massnahmen treffen, um das Niveau zu halten und die verpassten Ziele zu erreichen. Das Fachmgazin BILDUNG SCHWEIZ und das Webmagazin bildungschweiz.ch werden in den folgenden Wochen einzelne Themen aus dem aktuellen Bildungsbericht aufgreifen und vertieft betrachten.

Schweizer Bildungsbericht 2026

Der Bildungsbericht erscheint im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) sowie der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK). Er erscheint alle vier Jahre und vereint Daten und Erkenntnisse zum Schweizer Bildungswesen auf allen Schulstufen. Dabei werden auch Datenlücken und Forschungsbedarf aufgezeigt. Daneben vermittelt der Bericht einen Überblick über die gemeinsamen bildungspolitischen Ziele von Bund und Kantonen. Der Bildungsbericht 2026 ist die sechste Ausgabe. 
Mehr Informationen: skbf-csre.ch

Autor
Patricia Dickson

Datum

23.03.2026

Publikation
LCH News

Themen