In diesen Tagen ist im Keller bei Lehrer David Steiner Bescherung, wie immer Anfang Juni. Ganze Bücherberge liegen da, auf zwölf Tischen für 24 Klassen verteilt, eine imposante Landschaft für die Lernreisen, die an der Sekundarschule Aesch (BL) in Planung sind. Und schon strömen sie herunter in den Materialraum der Schule, die Schülerinnen und Schüler des Zyklus 3, und nehmen mit, was es für den Unterricht braucht. Danach wird es ruhiger: Was noch folgt, sind Bestellungen von Lehrpersonen, die später zum Team gestossen sind.
David Steiner ist Materialchef der Sekundarschule Aesch. Bei ihm können die 60 Lehrpersonen neue Lehrmittel aus dem Webshop der kantonalen Lehrmittelliste bestellen. Sie ergänzen die älteren Medien, die im Materialraum auf ihren nächsten Einsatz warten oder direkt von Klasse zu Klasse wandern.
Lehrmittelkommission evaluiert
Die Lehrmittelliste versammelt die Lehrmittel, die im Kanton Basel-Landschaft zum Einsatz kommen dürfen. Sie bildet das Rückgrat der sogenannt geleiteten Lehrmittelfreiheit, die 2020 eingeführt wurde. Was in diese Liste aufgenommen wird, evaluiert eine Lehrmittelkommission, die aus Lehrpersonen beider Schulstufen sowie der Sonderpädagogik, Schulleitungsmitgliedern, Vertretungen des Amts für Volksschulen und weiteren Fachpersonen besteht. Sie analysiert und priorisiert gemeinsam mit weiteren Anspruchsgruppen den Bedarf aller Fächer und Stufen. Dann beschliesst sie, welche Lehrmittel eingehender geprüft werden. Das können auch Lehrmittel sein, die von Lehrpersonen vorgeschlagen wurden. Die Prüfung selbst obliegt dann Teams von zwei bis vier Lehrpersonen. Aufgrund ihrer Evaluationsberichte entscheidet die Lehrmittelkommission oder der vom kantonalen Parlament gewählte Bildungsrat über die Aufnahme in die kantonale Liste. Der gesamte Prozess dauert meist sechs bis zwölf Monate.
Für Lehrpersonen war die Situation früher einfacher. Sie hatten die von der Lehrmittelkommission geprüften Lehrmittel einzusetzen. Heute müssen sie selber herausfinden, mit welchen Medien sie arbeiten möchten. Für die Mathematik auf Sekundarstufe I etwa stehen ihnen nicht nur die drei Titel des «mathbuch» (Schulverlag plus/Klett und Balmer) zur Verfügung, sondern auch die Bücher zur «Mathematik 1–3» (Zürcher Lehrmittelverlag) und die Reihe «Mathematik kompetent» (Westermann). Das bringt den Lehrpersonen einerseits die Qual der Wahl. Anderseits – weil eine gewisse Harmonisierung innerhalb der Teams erwünscht ist – sollen sie sich mit Kolleginnen und Kollegen austauschen. Um diese Absprachen und Entscheidungen zu erleichtern, können Lehrpersonen die Lehrmittel zur Ansicht bestellen und testen. Zudem erstellt die Lehrmittelkommission Steckbriefe, die eine komprimierte, kriterienbasierte Beurteilung der Lehrmittel enthalten. Schliesslich hat der Kanton für alle Fächer auf Sek I Stofflehrpläne entwickelt. Sie definieren die Inhalte und Themen zur Erreichung der im Lehrplan 21 vorgeschriebenen Kompetenzen und schaffen Verbindlichkeit und Orientierung bei der Unterrichtsplanung.
«Der frühere Lehrmittelzwang hat viele frustriert.»
Billiger war es früher auch. 2015 gab der Kanton 665'000 Franken für Lehrmittel aus, im letzten Jahr 1,626 Millionen. Diese Steigerung geht allerdings nicht nur auf die geleitete Lehrmittelfreiheit zurück. Abgesehen davon hat auch die Zahl der Lehrmittel auf dem Markt stark zugenommen. Sie sind zudem oft für den einmaligen Gebrauch konzipiert oder enthalten digitale Zusatzmaterialien. Ebenso brachte die Umsetzung des neuen Lehrplans in der Sek l ab 2018 auch zahlreiche neue Lehrmittel, zum Beispiel in Hauswirtschaft, Biologie, Chemie, Physik, Geografie und Geschichte.
