NEUE PISA-STUDIE

Grosse Unterschiede zwischen Leistungsstarken und -schwachen

Die aktuelle Pisa-Studie zeigt: Die Leistungen von Schweizer Schülerinnen und Schülern können im Vergleich gut mithalten. Doch obwohl die Schweiz zu den leistungsstärkeren Ländern zählt, geht die Bildungsschere weiter auf.

Klasse arbeitet selbstständig an einer Aufgabe.
Die Leistungen von Schweizer Jugendlichen überzeugen im OECD-Vergleich, doch die Niveaus sind sehr unterschiedlich. (Foto: iStock/skynesher)

Es ist zunächst ein erfreuliches Bild, das die Ergebnisse der aktuellen Pisa-Studie zeichnen: Die Schweiz zählt gemäss Medienmitteilung der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) weiterhin international zu den leistungsstärksten Ländern. 

So liefern Schweizer Jugendliche beim Lesen Ergebnisse, die mit 470 Punkten über dem Durchschnitt von 461 Punkten liegen. Der Unterschied ist signifikant. Doch ist die Lesekompetenz der Schweizer Schülerinnen und Schüler seit Jahren rückläufig. 

Grosse Unterschiede beim Lesen und in Mathe

Insbesondere fällt in der Lesekompetenz die grosse Spannweite auf: In der Schweiz besteht eine grosse Differenz zwischen den leistungsschwächsten und leistungsstärksten Jugendlichen beim Lesen – nur Deutschland und Luxemburg weisen hier eine noch grössere Spannweite auf. Die übrigen OECD-Länder weisen eine Differenz aus, die mit durchschnittlich 264 Punkten tiefer ist als jene der Schweiz mit 279 Punkten. 

Zur neuen Pisa-Studie

Die internationale Schulleistungsstudie «Programme für International Student Assessment» (Pisa) findet alle drei Jahre respektive neu alle vier Jahre statt. An der Pisa-Erhebung von 2025 haben sich 91 Länder beteiligt. In der Schweiz nahmen insgesamt 7600 Jugendliche im Alter von 15 Jahren teil. Sie stammen aus 275 Schulen. Die Jugendlichen lösten Aufgaben in Naturwissenschaften, Lesen, Mathematik und neu auch in modellbasiertem Problemlösen. Durchgeführt wird sie von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), in der sich 38 Staaten zusammengeschlossen haben. Die nächste Erhebung ist für 2029 vorgesehen.

In der Mathematik werden die Leistungen der Schweizer Jugendlichen ebenfalls schlechter. 2015 waren es 521 Punkte. 2018 und 2022 waren es schon weniger. 2025 sind es 499 Punkte. Die Unterschiede sind signifikant. Der Abwärtstrend ist zwar auch im internationalen Vergleich zu beobachten. Doch wie beim Lesen zählt die Schweiz in der Mathematik zu jenen Ländern mit den grössten Leistungsunterschieden.

Obwohl auch in der Mathematik die Leistung der Schweizer Jugendlichen abgenommen hat, sind sie mit 499 Punkten besser als der OECD-Durchschnitt mit 463 Punkten. Die Schweizer Leistung wird in Europa nur von Estland übertroffen. 

Gut in Naturwissenschaft und Problemlösung

Gute Nachrichten gibt es in den Naturwissenschaften: Hier erreichen die Schweizer Schülerinnen und Schüler mit 501 Punkten ein sehr gutes Resultat. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 482 Punkten. Dennoch lassen auch hier Ergebnisse der Studie aufhorchen. So erreichen 20.7 Prozent der Jugendlichen in der Schweiz die Mindestvoraussetzungen in den Naturwissenschaften nicht.

Unter anderem hat sich gezeigt, dass Schülerinnen und Schüler aus dem untersten Viertel der sozialen Herkunft signifikant tiefere Leistungen erreichen als jene aus den drei übrigen Vierteln.

Ein starkes Ergebnis konnten die Schülerinnen und Schüler in der Schweiz im erstmals erhobenen Kompetenzbereich des modellbasierten Problemlösens präsentieren. Es misst die Fähigkeit von Schülerinnen und Schülern, komplexe Probleme schrittweise und selbstgesteuert mithilfe von computergestützten Werkzeugen (zum Beispiel Modellen, Algorithmen) zu lösen. Hier erreichten die Schweizer Schülerinnen und Schüler 520 Punkte, der OECD-Durchschnitt liegt bei 500 Punkten. Unter den Vergleichsländern erzielte einzig Estland mit 541 Punkten ein signifikant höheres Ergebnis. 

Autor
Mirja Keller

Datum

08.09.2026

Themen