Fremdsprachenunterricht

Bundesrat baut Drohkulisse auf

In mehreren Kantonen laufen Bestrebungen zur Verlegung des Französischunterrichts auf die Oberstufe. Der Bundesrat will sie nun mit einer Anpassung des Sprachengesetzes stoppen. 

Frau zeigt mit Stift auf Whiteboard, wo französische Worte stehen
In der Politik wird um den Französischunterricht auf Primarstufe gerungen. Foto: iStock/BakiBG

Schon in vier Kantonen haben die Regierungen den Auftrag gefasst, den Fremdsprachunterricht auf Primarstufe anzupassen. Die Stossrichtung ist klar: Das Französisch soll auf die Oberstufe verschoben werden. An Primarschulen würden Schulkinder neben der Unterrichtssprache dann nur noch Englisch lernen.

«Unternimmt eine Kantonsregierung konkrete Schritte zur Streichung der zweiten Landessprache aus dem Stundenplan, geht der Bundesrat mit dem Gesetz ins Parlament.»

Der Bundesrat machte bereits im September 2025 klar, dass er sich gegen ein solches Szenario wehren werde. Am 12. Juni lancierte er nun die Vernehmlassung zur Änderung des Sprachengesetzes. Sie dauert bis am 5. Oktober. Der Bundesrat schlägt zwei Varianten vor. In der einen wird vorgeschrieben, dass auf Primarschulstufe wie heute zwei Fremdsprachen unterrichtet werden, eine davon hat eine zweite Landessprache zu sein. Die zweite Variante lässt den Kantonen mehr Spielraum: Der Unterricht einer zweiten Landessprache muss demnach in der Primarschule beginnen und bis zum Ende der obligatorischen Schulzeit dauern. 

Noch hofft der Bundesrat auf ein Einlenken

Bislang ist die vorgeschlagene Anpassung des Sprachengesetzes bloss eine Drohung des Bundesrats. Denn noch hat kein Kanton die Verschiebung der zweiten Landessprache auf die Oberstufe beschlossen. Sollte dies geschehen, wäre der Zeitpunkt für das Eingreifen des Bundesrats gekommen, betont Christoph Lenz, Sprecher des federführenden Innendepartements: «Unternimmt eine Kantonsregierung konkrete Schritte zur Streichung der zweiten Landessprache aus dem Stundenplan, geht der Bundesrat mit dem Gesetz ins Parlament», sagt er gegenüber BILDUNG SCHWEIZ. 

Die Aufträge, welche die Kantonsparlamente in Appenzell Ausserrhoden, Zürich, St. Gallen und Thurgau ihren Regierungen gegeben haben, lassen letzteren Spielraum. Denkbar sind auch Umsetzungen, welche den seit 2004 geltenden Kompromiss zur Sprachenfrage nicht verletzen. Dieser sieht vor, dass auf Primarstufe zwei Fremdsprachen unterrichtet werden, darunter eine zweite Landessprache. Mit welcher gestartet wird, ist den Kantonen überlassen. Bleibt es dabei, verzichtet der Bundesrat auf weitere Schritte, wie er in seiner Mitteilung vom 12. Juni schreibt. 

Konflikt keimt immer wieder auf

Dem Bundesrat geht es darum, dass sich die Bevölkerung über die Sprachgrenzen hinweg verständigen kann. Für ihn ist das eine Frage des nationalen Zusammenhalts der Willensnation Schweiz. Dies bekräftigte kürzlich Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider (SP) in einem Interview mit BILDUNG SCHWEIZ. Die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren positioniert sich ähnlich, sieht aber Handlungsbedarf bei den Bildungszielen. 

Die Sprachenstrategie ist schon seit der Vorverlegung des Fremdsprachunterrichts ein kontroverses Thema. Zürich preschte vor und begann vor rund 20 Jahren mit Englisch in der zweiten Klasse. Mit der Einführung des Lehrplan 21 schwenkte der Kanton auf die Kompromissvariante ein. Englisch beginnt nun in der dritten Klasse, Französisch folgt in der fünften Klasse. Mittlerweile halten es 14 Kantone so. Vor allem Deutschschweizer Kantone an der Sprachgrenze und jene in der Romandie vermitteln zuerst eine zweite Landessprache.

Weil zwei Fremdsprachen zu viel seien, wollte der Kanton Thurgau aber bereits vor zehn Jahren Primarschülerinnen und -schülern nur noch eine zumuten – und zwar Englisch. Ein Aufschrei ging durchs Land. Thurgau stoppte das Projekt. Seit einiger Zeit rumort es wieder. Die dürftigen Resultate bei der Überprüfung der Grundkompetenzen in Sprache (ÜGK) lösten eine neue Welle von politischen Vorstössen aus, nämlich in insgesamt 12 Kantonen. 

Ein Ausstieg aus dem Sprachenkompromiss wäre aber aufwendig. Formell ist er Teil des kantonalen Konkordats zur Harmonisierung der Volksschule (Harmos). Von der Kündigung bis zum definitiven Ausstieg würden mehrere Jahre vergehen. Darauf wies etwa die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Mitte) hin.

LCH besorgt

Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) äusserte sich nach Bekanntgabe der ÜGK-Resultate zur Sprache im Frühjahr 2025 besorgt. Mit den derzeitigen Voraussetzungen an den Schulen seien die gesteckten Ziele nicht erreichbar, schrieb er damals. Zwar bekennt sich der LCH zur Sprachenstrategie. Aber zwei Fremdsprachen im Primarschulunterricht seien nur dann gerechtfertigt, wenn die gesetzten Ziele auch erreicht werden könnten. Es brauche Anpassungen, ansonsten müsse die Sprachenstrategie angepasst werden. Hier gehts zum Artikel.  

Autor
Christoph Aebischer

Datum

12.06.2026

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