Es war ein Abend nach einem normalen Schultag. Die Familie sass beim Nachtessen, als meine Eltern sich räusperten und uns Kindern eröffneten: «Wir ziehen um.» Wie sie es genau sagten, weiss ich nicht mehr. Hingegen erinnere ich mich genau, was danach geschah. Ich ging noch einmal raus, um mit Freunden zu spielen. Ich fühlte mich schon jetzt grenzenlos niedergeschlagen und gleichzeitig überdreht. Jedenfalls stürzte ich über ein Steinbänkli im Garten und fiel aufs Gesicht. Der Riss im Schaufelzahn war von nun an wie ein Mal – und meine Eltern waren schuld daran. Wie konnten sie mir bloss so etwas antun? Meine Welt war hier. Nun sollte ich die fünfte Klasse nicht mehr in Winterthur besuchen, sondern irgendwo im Aargau.
Aber wie das so ist: Eltern sagen, woʼs langgeht. Das Umziehen wiederholte sich bei uns mehrmals. Es war damals schon nicht das erste Mal und würde in meiner Schulkarriere nicht das letzte Mal bleiben. Dummerweise lagen zweimal Kantonsgrenzen zwischen altem und neuem Zuhause. In den Achtzigerjahren war die Harmonisierung der obligatorischen Schule noch kaum Thema. So wurde ich zum absoluten Profi in «Römer» und «Kelten». Den Legionären der einen und den Krieger der anderen malte ich mehrfach von einer Wandtafel ins Heimatkundeheft.
Wie das so ist: Eltern sagen, woʼs langgeht.
