Breites Aufgabenspektrum

Schulassistenzen – etabliert und gefordert

Mittlerweile sind Schulassistenzen unentbehrlich im Schulalltag. Viele sind heute fix angestellt. Zu wenig klar ist, welche Aufgaben sie übernehmen sollen. Das belastet, zeigt eine Umfrage der pädagogischen Hochschule Zürich.

Schulassistentin begleitet ein Mädchen bei ihren Schulaufgaben.
Oft übernehmen Frauen eine Schulassistenz. Deren Zahl hat in den letzten fünf Jahren markant zugenommen. Foto: iStock/ Jacob Wackerhausen

Eine typische Schulassistenz ist weiblich, älter als 40 Jahre und arbeitet gleichzeitig in mehreren Schulklassen. Dies jedenfalls legt die zweite Umfrage unter Schulassistenzen der pädagogischen Hochschule Zürich (PH Zürich) nahe. Fünf Jahre nach der ersten startete sie 2025 eine zweite Runde. 

370 Personen machten mit, drei Viertel davon arbeiten im Kanton Zürich, die anderen in weiteren Deutschschweizer Kantonen. Alle, die für die Onlinebefragung kontaktiert worden sind, haben zuvor an der PH Zürich eine Weiterbildung absolviert.

Interessant ist nun, wie sich die Ergebnisse der ersten von jenen der zweiten Umfrage unterscheiden. Ein Fazit ist, dass sich Schulassistenzen zunehmend als fester Bestandteil des Lehrteams etablieren. Das zeigt sich zum Beispiel an Zahlen aus den Kantonen, die aber immer noch spärlich vorliegen: Recherchen von BILDUNG SCHWEIZ haben ergeben, dass heute viel mehr Personen als Klassenhilfen, Klassenassistenzen oder Schulassistenzen arbeiten. 

Denise Da Rin, Forscherin an der PH Zürich, gibt im Interview Auskunft über ihren Bericht «Schulassistenzen, zwischen Engagement und Unsicherheit», den sie gemeinsam mit Adina Baiatudie verfasst hat.

Im Kanton Luzern stieg die Anzahl Personen von 489 im Jahr 2020 auf aktuell 1235, wobei die meisten kleinere Pensen innehaben. Ähnlich sieht es im Kanton Bern oder in der Stadt Zürich aus. Schweizweite Zahlen existieren keine, da sie nicht überall erhoben werden.

Wichtiger als absolute Zahlen sind im Bericht der PH Zürich aber andere Befunde: 2020 waren viele Schulassistenzen befristet oder gar auf Abruf angestellt. 2025 gaben zwei Drittel an, über einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit einem fixen Beschäftigungsgrad zu verfügen. Letzterer liegt meist zwischen 20 und 50 Prozent.

Mit vielen Aufgaben betraut

Wie wichtig Schulassistenzen geworden sind, zeigt auch der breite Fächer an Aufgaben, die sie übernehmen. Diese reichen von Pausenaufsicht über die individuelle Betreuung von Schülerinnen und Schülern, der Beaufsichtigung einer Klasse bis hin zu einem Telefondienst (siehe Diagramm unten). Doch genau dieses weite Aufgabenspektrum ist eines der Probleme, das Schulassistenzen beschäftigt. 

Zwei von drei Schulassistenzen haben kein klares Pflichtenheft: Oft wüssten weder sie noch die Lehrpersonen, die sie unterstützten, welche Aufgaben sie übernehmen müssten beziehungsweise sollten. Dies melden viele im Rahmen der Umfrage zurück. Gemäss Bericht gibt es sogar Schulassistenzen, die als Lehrpersonen arbeiten – allerdings ohne entsprechende Ausbildung und auch mit einer viel tieferen Entlöhnung.

Ziel ist ein anerkannter Beruf

Viele der befragten Schulassistenzen stört diese Diskrepanz: Einerseits sind sie unentbehrlich, anderseits werden sie für ihre Arbeit nicht gut bezahlt. Zudem existiert weder eine anerkannte Ausbildung noch genügend Weiterbildungsmöglichkeiten, monieren sie. Eine unter ihnen drückt ihre Gefühlslage so aus: «Was nützt es, wenn ich das alles lerne, es aber kein richtiger Beruf ist?»

Verbesserungen verlangen auch Interessensvertretungen von Lehrpersonen und Schulassistenzen. Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz möchte etwa eine klarere Beschreibung der Funktion und regt eine anerkannte Ausbildung an. Schulassistenzen seien als Ergänzung zum ausgebildeten Lehrpersonal zu sehen.

Erste Schritte für Berufsleitbild

Der Schulassistenzverband sieht dies ebenso. Er hat mit dem 2024 veröffentlichten Berufsleitbild einen ersten Schritt in diese Richtung unternommen. Bei seinen Bestrebungen für die Anerkennung der Schulassistenz als eigener Beruf und die Etablierung einer Ausbildung ist er aber noch nicht am Ziel.

Grundsätzlich, das zeigt die von Denise Da Rin und Adina Baiatu durchgeführte Umfrage der PH Zürich ebenso, machen Schulassistenzen ihren Job gerne. Viele von ihnen sind auch schon einige Jahre dabei. Immerhin hat die Unsicherheit in Bezug auf die Anstellung gegenüber 2020 abgenommen. Bei den Aufgaben besteht sie aber weiterhin. 

Autor
Christoph Aebischer

Datum

20.07.2026

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