Die Liste potenziell schädlicher Inhaltsstoffe von Werkmaterialien ist lang – viel zu lang, als dass man sich alles einprägen kann. Umso entscheidender ist, was vor der Verwendung unbekannter Rohstoffe geschieht. «Im gestalterischen Unterricht ist die Vorbereitung das A und O», sagt Micheline Ruffieux.
Zwölf Tipps
Wie man beim Gestalten Risiken vermeidet
Im Umgang mit Farben, Leim oder festen Werkstoffen wie Holz gilt es einige Vorsichtsmassnahmen zu treffen. Das müssen Lehrpersonen beachten.


Sie arbeitet seit 33 Jahren als Lehrerin im Bereich textiles, technisches und bildnerisches Gestalten und präsidiert die Fachkommission Gestaltung vom Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz. Sie weiss, wie sich fahrlässige Fehler im Umgang mit potenziell gefährlichen Rohstoffen vermeiden lassen. BILDUNG SCHWEIZ wollte von Ruffieux wissen, welche zwölf Punkte es dabei zu beachten gilt.
1. Wahl der Materialien
Viele Rohstoffe, die im textilen, technischen und bildnerischen Gestalten gebraucht werden, können gefährlich sein. Ruffieux rät dazu, sich bei Fragen bereits beim Einkauf professionell beraten zu lassen. Für viele gefährliche Stoffe gebe es Ersatzmöglichkeiten. Und: «Es lohnt sich, die Etiketten und Gebrauchsanweisungen von Produkten genau durchzulesen – auch wenn dies Zeit in Anspruch nimmt.»
2. Fachhandel bevorzugen
Viele Stoffe lassen sich auf Onlineplattformen wie Temu sehr preisgünstig einkaufen. Was verlockend ist, birgt aber oftmals eine zusätzliche Gefahr: «Teilweise ist bei diesen Produkten zu wenig klar, woher sie stammen und wie sie hergestellt wurden», so die Expertin. Sie rät deshalb, lieber auf den Detailhandel auszuweichen oder bei spezialisierten Fachgeschäften einzukaufen, wo Fachpersonal entsprechend beraten kann – auch wenn deren Produkte teurer sind.
3. Handlungsabläufe kennen
Ruffieux empfiehlt generell, sich bei allen Arbeitsschritten zu überlegen, was potenziell schiefgehen könnte und wie in einem solchen Fall Erste Hilfe zu leisten wäre. Gerade bei Unfällen mit Werkstoffen sei teilweise spezifisches Handeln erforderlich. «Wenn zum Beispiel Öle oder Lösungen in Brand geraten, darf man das Feuer nicht mit Wasser löschen. Genau dies würde man intuitiv aber oft tun.» Stattdessen müssen Lehrpersonen in einem solchen Fall auf Löschdecken zurückgreifen. Diese müssen in greifbarer Nähe sein.
4. Erst testen
Möchte man im Unterricht etwas Neues ausprobieren und kennt die dafür nötigen Materialien noch zu wenig gut, rät die Expertin zu einem Probelauf: «Man sollte zuerst selbst testen, wie sich ein Material verhält, wenn es bearbeitet wird.» So merke man auch, wo mögliche Problemstellen oder Gefahren auftreten können.
5. Regelmässige Wartung
Im Umgang mit Werkmaschinen muss sichergestellt sein, dass diese einwandfrei funktionieren und vorhandene Sicherheitsstopps, zum Beispiel bei einer Säge oder Bohrmaschine, eingeschalten sind. Es empfiehlt sich, die Arbeitsräume regelmässig zu warten, um so Fehlfunktionen vorzubeugen.
«Für die Vorbereitung auf ein schwieriges Projekt nehme ich mir extra Zeit.»
6. Innenräume
Gemäss Ruffieux gilt die Faustregel: Man kann grundsätzlich jedes Material verwenden, aber nicht alles ist in Innenräumen bearbeitbar – etwa wegen giftigen Staubs oder Dämpfen. Dies ist zum Beispiel bei Stein-, Holz- oder auch Gipsarbeiten zu beachten. Verfügt der genutzte Werkraum über keine gute Staubsauganlage, sollte besser draussen und mit Masken gearbeitet werden.
7. Übung für den Notfall
Alle Sicherheitsvorkehrungen und alles theoretische Wissen helfen wenig, wenn man im Notfall nicht weiss, wie man vorgehen muss. Ruffieux rät dazu, in der Schule regelmässig Brandschutzübungen und Erste-Hilfe-Anlässe durchzuführen, um sicherzustellen, dass alle Beteiligten – Lehrpersonen wie die Schülerschaft – wissen, was sie zu tun haben.
8. Einführungen machen
«Es kann immer etwas passieren», weiss Ruffieux, die seit über 30 Jahren unterrichtet. Dennoch lassen sich viele mögliche Gefahrenquellen eliminieren, in dem Schülerinnen und Schüler ordentlich in ein Projekt eingeführt werden. «Für die Vorbereitung auf ein schwieriges Projekt nehme ich mir extra Zeit.» Die Schülerschaft müsse beispielsweise wissen, wie sie sich an einem Gerät zu verhalten habe oder wie sie Materialien fachgerecht entsorgt.
9. Aufbewahrung
Schränke zur Aufbewahrung von heiklen Farben oder Ähnlichem sollten immer abgeschlossen sein. Räume, in denen Materialien gelagert werden, sollten der Schülerschaft nicht einfach offen zugänglich sein.
10. Ordnung halten
Materialien, die nicht mehr verwendet werden, sollen fachgerecht verstaut werden. Auch Werkzeuge sollten nicht ungenutzt herumliegen, da sie sonst zur Gefahrenquelle werden können. Ruffieux warnt zudem vor fertiggestellten Werken, die längere Zeit auf einem Fenstersims lagern – etwa, um zu trocknen. «Es kommt vor, dass sich Bastelarbeiten durch die Hitze der Sonne entzünden.»
11. Schutzausrüstung
Wo in Innenräumen mit schädlichen Stoffen gearbeitet wird, ist laut Ruffieux eine entsprechende Schutzausrüstung Pflicht. Dazu gehört je nach Material das Bereitstellen von Schutzbrillen, Handschuhen, Gehör- und Atemschutz sowie Schutzkleidung.
12. Verantwortlichkeiten klären
Wer kontrolliert die Maschinen im Werkraum auf ihre Funktionstüchtigkeit? Wer überprüft, ob der Materialbestand noch den aktuellen Richtlinien entspricht? Micheline Ruffieux rät allen Schulen dazu, die Verantwortlichkeiten rund um die Werkräume zu klären. Oft liegt ein Teil dieser Verantwortung aber auch bei den Gemeinden als Arbeitgebende.
Autor
Mirja Keller
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