Lehrpersonen auf Stellensuche

Wie ein Interview zum Gespräch wird

Bewerbungsgespräche müssen keine starren Frage-Antwort-Situationen sein. Eine Beraterin, eine Psychologin und ein Schulleiter geben Tipps, wie ein natürliches Gespräch entstehen kann.

 

Zwei Frauen sitzen einer dritten Person am Tisch gegenüber.
Ein persönlicher Rahmen im Bewerbungsgespräch erleichtert es, dass man sich auch als Menschen und nicht nur als Fachpersonen kennenlernen kann. Foto: iStock/ Milan Markovic

Lehrpersonen auf Stellensuche prüfen oft als Erstes Arbeitsweg, Schulstufe oder die Grösse des Schulhauses. Wichtiger als strukturelle Anforderungen wäre jedoch die Frage: «Passe ich als Individuum in diese Schule?», sagt Angela Baumgartner, die Lehrpersonen bei Laufbahnfragen berät. Sie empfiehlt, vor allem auf zwischenmenschliche und inhaltliche Faktoren zu achten.

Doch Bewerbungsgespräche sind oft eine hochformalisierte Angelegenheit. Nicht selten folgen sie einem vorgegebenen Prozess mit klaren Abläufen – von den Bewerbungsfristen bis zur Ausstellung des Arbeitsvertrages. In manchen Kantonen gibt es für das Einstellungsverfahren detaillierte Vorgaben – inklusive Pflichtfragen, die Schulleitungen den Bewerbenden stellen müssen. 

Zu professionelle Gespräche

Dieser systematisierte Kontext kann schnell davon ablenken, worum es wirklich geht: um die zwischenmenschliche Ebene. Baumgartner stellt fest, dass Arbeitgebende wie auch die bewerbende Lehrperson stark darum bemüht sind, Bewerbungssituationen so professionell wie möglich zu gestalten. 

 «Wichtig ist, dass sich die Menschen hinter den Fachpersonen kennenlernen.»

«Dies erschwert den beiden Parteien jedoch, zu erkennen, wie gut man zueinander passt.» Damit ist nicht die fachliche Eignung gemeint. «Die meisten Bewerberinnen und Bewerber sind qualifiziert und sehr gut ausgebildet. Ihre Kompetenz steht also eigentlich gar nicht zur Frage. Wichtig ist, dass sich die Menschen hinter den Fachpersonen kennenlernen», sagt die Beraterin, die selbst ausgebildete Sekundarlehrerin ist.

Larissa Hauser, Psychologin und Dozentin an der pädagogischen Hochschule Zürich, rät Studierenden und Lehrpersonen auf Stellensuche deshalb dazu, sich so gut wie möglich über eine Schule zu informieren. «Es ist ratsam, sich die Website einer Schule anzuschauen und zu prüfen, welche Schulkultur gepflegt wird.» 

LCH-Vizepräsident Christian Hugi erinnert sich in einem Kommentar zurück, wie er als Lehrer angefangen hat. Was er Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern rät: «Wichtige Stationen auf dem Berufsweg», LCH.ch

So gebe es zum Beispiel für gesundheitsfördernde und nachhaltige Schulen das Label «Schulnetz21» oder das Label «Achtsame Schule». Entscheidend sei auch, welchen pädagogischen Leitsätzen die Schule folge und ob man sich damit identifiziere oder nicht.

Im Kanton Zürich müssen zudem die Berichte externer Schulevaluationen publik gemacht werden. «Es lohnt sich, diese zu lesen und sich Fragen dazu aufzuschreiben», sagt Hauser. Auf diesem Weg könne man sich bereits ein gutes erstes Bild über eine Schule und ihre Organisation machen.

Eigene Werte bewusst machen

Als Sekundarlehrerin hat sich Coach Baumgartner selbst an einigen Schulen beworben. Sie sagt: «Die Art der Bewerbungsgespräche unterscheidet sich teils beträchtlich.» Sie habe schon sehr unpersönliche Gespräche erlebt mit mehrstufigen Abklärungen, wie sie teilweise in der Privatwirtschaft üblich seien. 

Sie erinnere sich aber auch an eine Situation, in der die Schule die Stelle zwar schon besetzt hatte, sie aber als Person dennoch treffen wollte. «In diesem Gespräch konnten wir uns ganz ungezwungen kennenlernen.» 

Fragen an Bewerbungsgesprächen: Diese acht Aspekte lohnen sich als Lehrperson abzuklären.

Lehrpersonen auf Stellensuche sowie solchen, die gerade in den Beruf einsteigen, legt sie nahe, sich ihre eigenen Werte bewusst zu machen. «Wer sich selbst kennt und weiss, was er oder sie braucht, um gut arbeiten zu können, der besteht jede Art von Bewerbungsgespräch.»

Erzählen statt fragen

Idealerweise gestaltet sich das erste Kennenlernen also weniger als klassische Bewerbungssituation, in welcher die künftige Arbeitgeberin die Fragen stellt und der Bewerber antwortet. «Schön ist es, wenn ein Gespräch entstehen kann und die bewerbende Lehrperson darin auch Raum findet, von sich zu erzählen», so Baumgartner. 

«Ich betone vor jedem Gespräch, dass wir hier kein Verhör durchführen.»

Jan Zenhäusern, seit zehn Jahren Schulleiter in der Schulregion Leuk im Oberwallis, ermutigt Stellenbewerbende deshalb dazu, jederzeit selbst Fragen zu stellen: «Ich betone vor jedem Gespräch, dass wir hier kein Verhör durchführen. Uns ist es wichtig, Bewerbungsgespräche so natürlich wie möglich zu gestalten.» Oftmals kämen Fragen auch erst nach einem Gespräch auf. «In einem solchen Fall sollte man sich unbedingt nochmals melden und nachfragen.»

Bei aller Offenheit, die Bewerbenden signalisiert wird, können bei gewissen Fragen dennoch Hemmungen auftauchen. Vielleicht traut man sich nicht, eine schulleitende oder erfahrene Person in Leitungsfunktion danach zu fragen, wie die schulinterne Feedbackkultur aussieht. 

Coach Baumgartner hat diesbezüglich einen einfachen Tipp: «Statt nur Fragen zu stellen, kann man auch aus der eigenen Erfahrung berichten. Man kann beispielsweise erzählen, wie man selbst Feedback gibt und was einem daran wichtig erscheint.» Aus einem persönlichen Bericht könne ganz natürlich eine Unterhaltung entstehen.

Teams kennen lernen

Ob man selbst als Persönlichkeit an eine Schule passt, ist mitunter auch davon abhängig, in welchem Team man später arbeitet. Baumgartner empfiehlt daher, unbedingt abzuklären, ob man die Gelegenheit erhält, sein Stufen- oder Klassenteam kennenzulernen. 

An gewissen Schulen ist es möglich, mit einer künftigen Kollegin oder einem künftigen Kollegen einen Tag lang mitzulaufen. «Auf diesem Weg kann man sich vom Alltag an einer Schule ein gutes Bild machen.» Manchmal muss es in einem Anstellungsverfahren schnell gehen und die Zeit für einen persönlichen Einblick reicht nicht mehr. «Dann würde ich nach einer Telefonnummer oder einer Mailadresse fragen, um mich mit einem potenziellen Teammitglied auf anderem Weg auszutauschen», sagt Baumgartner. 

Autor
Mirja Keller

Datum

08.10.2026

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