Insgesamt plädiert der VCS dafür, dass Kinder ihren Schulweg nicht mit motorisierten Fahrzeugen, sondern besser zu Fuss, per Kickboard oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Interessierten Gemeinden und Schulen bietet der VCS auf Anfrage gern Unterstützung beim Finden guter Lösung, etwa mit einem Mobilitätskonzept für Schulen: Innerhalb eines Jahres sammelt der VCS dazu Informationen zum Mobilitätsverhalten der Kinder, detaillierte Übersichten über die zurückgelegten Schulwege. Basierend auf diesen Umfragen und Analysen erarbeitet er konkrete Empfehlungen wie Sensibilisierungs- oder Kommunikationsmassnahmen.
Andere Angebote sind der Pedibus oder die Kampagne Walk to School. «Gerade mit Pedibus machen wir in der Westschweiz sehr gute Erfahrungen», sagt Emilie Roux. «Ziel dieses Angebots ist es, dass die Schülerinnen und Schüler unter Leitung eines Erwachsenen zu Fuss in die Schule begleitet werden. So wie eine Buslinie verkehrt der Pedibus nach einem Fahrplan auf einer bestimmten Strecke. Einfach zu Fuss statt in einem fahrenden Bus.» (mehr dazu im Artikel «Der Pedibus bringt Kinder sicher und umweltfreundlich zur Schule»).
Mit Walk to School wiederum werden Schulklassen dazu animiert, während zweier Wochen möglichst zu Fuss zur Schule zu kommen. Dabei werden auch die Eltern ermutigt, ihrem Kind zu Liebe das Elterntaxi stehen zu lassen. Interessierte Lehrpersonen können ihre Klasse beim VCS für eine solche Aktion inklusive Wettbewerb anmelden. Dazu erhalten sie passendes Informations- und Begleitmaterial.
Drei Gemeinden als Vorreiterinnen
Eine Verkehrsregulierung mit einer Schulstrasse wie in Köniz gibt es in der Schweiz erst in drei Gemeinden. Nebst Köniz sind dies Corcelles bei Payerne im Kanton Waadt und Ascona im Tessin.
«Verkehr, Schule und Polizei müssen in jedem Fall gemeinsam agieren.»
Nebst dem VCS ist auch die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) eine gute Anlaufstelle für Schulen, die im Kampf gegen Elterntaxis Hilfe suchen. Mediensprecher Lucien Combaz stellt klar, dass die Verkehrsregelung vor dem Schulhaus nicht primäre Aufgabe der Schule sei: «Zunächst steht die Gemeinde, vornehmlich das Tiefbauamt, in der Verantwortung. Auch ist es sinnvoll, die Polizei mit an Bord zu holen.» Die Schule könne hier wertvolle Koordinationsarbeit leisten, indem sie alle Player an einem Tisch versammle, um das Problem gemeinsam zu lösen. «Verkehr, Schule und Polizei müssen in jedem Fall gemeinsam agieren», sagt Combaz.
Grundsätzlich müssen Schulen auf dem Weg zu einer guten Lösung besonders darauf achten, wo sich Gefahrenstellen rund ums Schulhaus befinden. Ebenso gilt es sich zu fragen, woher die Kinder kommen, wie lange deren Schulweg ist und wo auch auf dem Weg Gefahren lauern, wie Combaz ausführt. «Zudem lohnt es sich, einen Themenabend zu Sicherheitsfragen auf dem Schulweg für die Eltern zu organisieren, möglichst unter Einbezug von Gemeinde und Polizei. Wir vom BFU stellen den Schulen da gerne Powerpoint-Präsentationen zur Verfügung.»
«Das Ziel ist, den Verkehr um die Schule zu beruhigen.»
Was die Verkehrsplanung der gesamten Gemeinde betrifft, ist das BFU überzeugt, dass Anpassungen in der Strassenstruktur insgesamt helfen. Dazu gehören Tempo 30, sichere Gehwege oder Begegnungszonen, die den Fussverkehr priorisieren. «Dies immer mit dem Ziel, den Verkehr rund um die Schule zu beruhigen.» Auch das Pedibus-Konzept des VCS begrüsst Combaz: «Der Schulweg wird dabei eigenverantwortlich von den Eltern organisiert. Mit dem eindeutigen Vorteil, dass die Eltern ihre Kinder nicht jeden Tag zur Schule bringen müssen – sondern sich abwechseln.»
Verkehrssituation hat sich entspannt
Stellt sich die Frage, ob sich das Schulstrassen-Projekt in Köniz positiv ausgewirkt hat. Dort hat man abgesehen davon noch mehr getan, wie Schulleiterin Blaser Weber hervorhebt: «Den Pedibus des VCS haben wir noch vor der Schulstrasse umgesetzt.» Ebenso mache man seit längerem bei «Ich kann das. Ich geh zu Fuss» mit – einem Projekt der Gemeinde Köniz, das ähnlich wie Walk to School funktioniert.
Die Einrichtung der Kiss&Ride-Zone schliesslich habe dafür gesorgt, dass die Anzahl Elterntaxis eher abnehme. Die Zone sei gut akzeptiert und werde meistens korrekt genutzt. Blaser Weber ist zufrieden: «Weil dank dem Projekt all die gefährlichen Wendemanöver wegfallen, hat sich die Situation insgesamt stark entspannt.»