Schulreise

Wandern, wo einst die Schmuggler schlichen

Bei Engelberg lädt ein Erlebnisweg zur Schatzsuche ein. Unterwegs kommen Kinder auf Spielplätzen mit Kletter- und Versteckspielen auf ihre Kosten.

Kinder klettern über ein Seilkonstrukt.
Vielfältige Spielmöglichkeiten entlang des Erlebnispfades laden zum Austoben ein. Fotos: Claudia Baumberger

Entlang des Trübsees, oberhalb von Engelberg im Kanton Obwalden, soll an einigen Stellen Schmugglerware versteckt sein – Schmuggler Engelbert und sein Maultier Schmuggli haben sie nach ihrem beschwerlichen Weg von Engelberg über den Jochpass zur Engstlenalp dort abgelegt. Mit diesen Worten startet Schmugglis Schatzsuche, ein Erlebnisweg, den man mit einer Gondelbahn von Engelberg her erreicht. An der Bergstation der Gondelbahn können die Schatzsucherinnen und Schatzsucher eine Schmugglerkarte abholen. Diese führt Kinder und Erwachsene durch sechs Stationen entlang der einstigen Schmuggelroute. 

Unterwegs klären Infotafeln über das Schmugglerwesen im Mittelalter und die Bedeutung von Passübergängen auf. Zudem erfahren die Wandernden mehr darüber, wie der Sbrinzkäse nach Italien kam. Dabei kommt der Spielspass nicht zu kurz: Auf jeder Etappe lädt ein zum Thema passender Spielplatz dazu ein, aktiv zu werden. Die Spielgeräte liefern zugleich wertvolle Hinweise für die Schatzsuche: Es gilt jeweils einen besonderen Stempel zu finden, mit dem ein Buchstabe in die eigene Schmugglerkarte gestanzt werden kann. Sind alle Buchstaben ins richtige Feld eingestanzt, ergibt sich ein Lösungswort, das man an definierten Orten abgeben kann. Für richtige Antworten gibt es sogar ein Überraschungsgeschenk.

Vielfältige Spielplätze zum Austoben

Es ist ein sonniger Samstag und viele Familien mit kleinen Kindern sind unterwegs auf dem Erlebnisweg. Es fällt auf, dass es sehr viel Überredungskunst der Eltern braucht, um die Kinder von einem zum nächsten Spielplatz zu bringen: «Chum, jetz weimer ändlich wytergo!» Die Kinder lieben es zu klettern, sich in einer Seilgondel von einer Seite zur anderen Seite zu ziehen, Kies zu transportieren und über ein Fliessband rollen zu lassen. Sie steigen auf Türme oder klettern auf einer Seilbrücke über einen Bach.

«Es gibt viele tolle Spielgeräte, welche die Grobmotorik fördern», findet auch Stefanie Imboden, Primarlehrerin aus Engelberg. Auf dem Spielplatz sind Gleichgewicht, Ausdauer, Motorik und Kraft gefragt.

Mit ihren sechs- bis achtjährigen Erst- und Zweitklässlern war sie schon mehrmals auf Schmugglis Schatzsuche. Genau für diese Altersstufe, wie auch für Kindergartenkinder, sei der Erlebnisweg sehr geeignet. «Die Kinder sind motiviert, die verschiedenen Stationen zu besuchen und die Aufgaben zu lösen», beschreibt sie ihre Erfahrungen. Bei den Spielplätzen gibt es Brätlistellen, Tische und Bänke. Brennholz steht zur Verfügung. Bei schlechtem oder heissem Wetter kann auf einen überdachten Picknickplatz ausgewichen werden.

Berge und Grenzen sicher überwinden

Stefanie Imboden empfiehlt, mit den Kindern klare Regeln zu vereinbaren, denn der Weg führt dem See entlang und manchmal fällt die Wiese am Wegrand recht steil ab. Die geschotterte Feldstrasse ist aber breit und sogar kinderwagentauglich.

Die reine Wanderzeit beträgt beim gemütlichen Gehen rund eine Stunde: «Dennoch ist es wichtig, genügend Zeit – etwa vier Stunden fürs Gehen, Aufgabenlösen, Spielen und Essen – einzuplanen», empfiehlt Imboden. Denn die Infotafeln auf dem Erlebnisweg sind reich an Hintergrundinformationen. Es lohnt sich, diese den Kindern vorzulesen.

So erfahren die Schatzjägerinnen und -jäger, wie es im 13. Jahrhundert dazu kam, dass Handelsreisende, sogenannte Säumer, durch das Haslital via Grimsel und Gemmipass nach Italien wanderten. In dieser Zeit ging die Pfarrei Brienz wegen politischer Streitigkeiten an das Kloster Engelberg über. Dadurch entstand ein reger Austausch zwischen dem Haslital auf Berner Seite und Engelberg im Kanton Obwalden.

Ausflüge für Schulen und Familien

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Als die reformierten Orte, zu denen auch das Haslital gehörte, im 16. Jahrhundert die Lebensmittellieferungen an die katholische Innerschweiz stoppten, hat die Bevölkerung vom Haslital erlaubt, weiterhin Nahrungsmittel über den Grimsel und den Jochpass nach Engelberg zu liefern. Im Gegenzug haben die Engelberger das Haslital, das Anfang 17. Jahrhundert durch heftige Unwetter und schlimme Überschwemmungen verwüstet worden sei, mit Spenden unterstützt. Weiter wird auf Tafeln erzählt, dass sich die beiden Kurorte Engelberg und Meiringen Anfang des 20. Jahrhunderts mit einer Bahn über den Jochpass miteinander verbinden wollten. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch am Ausbruch des Ersten Weltkrieges und finanziellen Problemen.

Wo Schmuggleware vergraben liegt

Wo es Güter und Grenzen gibt, sind Schmuggler nicht weit weg – so auch die beiden Maskottchen Schmuggler Engelbert und sein Maultier Schmuggli. Der riesige Spielplatz am Südostufer des Trübsees ist der Ort, wo das Maultier Schmuggli, überdrüssig vom Lastentragen, die Schmuggelware vergraben habe. Hier dürfen die Kinder auf Türme steigen und durch Röhren kriechen. 

Auf einer Seilbrücke können sie den Trübseebach überqueren und schon sind sie im Säumerlager, einem Ort mit vielen Feuerstellen, Brennholz und Tischen mit Bänken. Das Bänkli mit Maultier Schmuggli als Holzfigur eignet sich gut für Erinnerungsfotos. «Der Spielplatz ist sehr gross und hat sogar Platz für mehrere Klassen. Dort bräteln und picknicken wir jeweils», sagt Imboden. 

Auf einer letzten Tafel erfährt man ausserdem, wie mit dem Käse Sbrinz Handel getrieben wurde: «Im späten Mittelalter, um das Jahr 1500, transportierten die Säumer den Hartkäse Sbrinz von der Region Luzern ins italienische Domodossola. Zurück kamen sie mit Wein, Mais, Reis und Öl. Die Route führte durchs Engelbergertal über den Jochpass ins Haslital und weiter über den Grimsel- und Griesspass nach Italien.» So weit müssen die Kinder zum Glück nun nicht mehr gehen. Bei Schmugglis Spielplatz endet die Route und für den Heimweg lassen sich die modernen Transportmittel nutzen. 

Autor
Claudia Baumberger

Datum

16.07.2026

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