In Sambia lernen Kinder mit Ihrem Lehrmittel «Leseschlau» lesen. Wie kam es dazu?
Ursula Rickli: Lehrerin Isabelle Hürst, die in Sambia in der Entwicklungshilfe tätig war, kontaktierte mich im Jahr 2020. Sie wollte wissen, ob ich mit meiner Methode, die auf Sprechbewegungsbildern aufbaut, ein Lehrmittel in der Sprache Cinyanja entwickeln könnte. Gemeinsam mit sambischen Lehrpersonen und Isabelle Hürst entwickelte ich das Erstlese-Lehrmittel «Read Smart», angepasst an den lokalen Kontext. Der Aufbau von «Read Smart» entspricht dem von «Leseschlau». Im Fokus stehen das bewusste Hören, Aussprechen und Erkennen von Lauten, bevor Schriftzeichen eingeführt werden. Die angepassten afrikanischen Lauttafeln spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Kinder reihen verschiedene Lauttafeln aneinander und lesen von den Mundstellungen ganze Wörter ab. Dann wird am oberen Rand jeder Tafel der passende Grossbuchstabe befestigt. Das Auge verbindet automatisch den gesprochenen Laut mit dem dazugehörigen Schriftzeichen. Und schon bald lesen die Kinder mehrseitige spannende Geschichten und schreiben Wörter, Sätze und eigene Texte.
Lernten Sie die sambische Sprache Cinyanja, um das Lehrmittel zu entwickeln?
Da ich die Sprache nicht kannte, war ich auf die Hilfe der sambischen Lehrpersonen angewiesen. Per Videocall erklärte ich meine Methode den dortigen Lehrpersonen und verschaffte mir einen Eindruck der Sprachstruktur. Da Cinyanja lautgetreu ist und dieselben Laute wie das Deutsche aufweist, sah ich keine Probleme, meine Methode auch für diese Sprache anzuwenden. Die Lehrpersonen schickten mir einfache Nomen in Cinyanja, wie beispielsweise «Fulu», was Schildkröte bedeutet. Diese konnte ich problemlos mit den Lauttafeln darstellen.
