Simon zielt mit seinem Basketball auf einen Korb vor seinem Bett. Der Schuss sitzt, der Ball geht ins Netz. Ihm folgen vier weitere Treffer. Im Zimmer ertönen Applaus und fröhlicher Zuspruch. Simon, der eigentlich anders heisst, lächelt. Er treibt gerne Sport. Doch er hat nicht immer die Energie dafür. In seinem Leben gibt die Chemotherapie den Takt vor. Aktuell befindet sich der Elfjährige gerade in einem Behandlungszyklus. Für seinen Unterricht in der Patientenschule am Inselspital Bern bedeutet dies: Einzelbeschulung am Bett.
Schule macht Hoffnung
In der Schweiz hat gemäss Artikel 19 der Bundesverfassung jedes Kind Anspruch auf Bildung. «Dieses Recht gilt auch für Kinder, die hospitalisiert sind», sagt Livia Salis-Wiget, Schulleiterin der Patientenschule am Inselspital. Der Bildungsartikel ist jedoch nicht nur ein Recht, er ist auch verpflichtend. Ein Kind, das länger im Spital ist, muss den Unterricht fortsetzen – solange der Gesundheitszustand es erlaubt.
«Einem Kind hier gibt die Schule Halt und Orientierung.»
Dass es auch im Spital eine Schule gibt, sorgt gemäss der Schulleiterin bei den Kindern und Jugendlichen gelegentlich für Überraschung. Aber: Die Schule bringt auch eine willkommene Struktur in einen oft langen Spitalalltag. Sie ist ein Stück Normalität in einer Lebenssituation, die oftmals von Ungewissheit geprägt ist.
Während die Schule in den Augen eines gesunden Kindes bisweilen eine lästige Notwendigkeit darstellt, wandelt sie sich in der Welt eines kranken Kindes zum Hoffnungsträger. Mit Blick auf hospitalisierte Kinder und Jugendliche mit einer ungewissen Diagnose sagt Livia Salis-Wiget: «Einem Kind hier drin gibt die Schule Halt und Orientierung.»
Verarbeitung im Gestalten
Für seine Zukunft hat Simon grosse Pläne. Er möchte einmal denselben Beruf ausüben wie sein Vater, der auf einem Werkhof arbeitet. Der Schule gegenüber hat er jedoch gemischte Gefühle. Geografie macht ihm Spass. «Mathe mag ich aber nicht so», gibt er zu. Seine Lehrerin, Corinne Stucki, lacht. Sie hat ihre Wege und Mittel, wie sie den Unterricht spannend gestalten kann. So werden zum Beispiel exekutive Funktionen – Fähigkeiten des Gehirns, die beim Lernen, Konzentrieren und Planen helfen – auch mal mit einem Spieltraining gefördert.


