Die Bildungslandschaft Schweiz ist ein Flickenteppich, nur ein einziges Fach ist landauf, landab gleich. Egal, ob in St. Gallen, Chiasso, Basel oder Genf: Drei Mal wöchentlich findet in der Volksschule der Sportunterricht statt. So steht es im Bundesgesetz, kein anderes Schulfach geniesst dieses Privileg. Damit könnte aber bald Schluss sein. Im Rahmen des Projekts «Entflechtung 27» soll die Aufgabenverteilung auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene unter die Lupe genommen und – wo sinnvoll – neu aufgeteilt werden. Abgeschlossen werden soll «Entflechtung 27» im kommenden Jahr, die Projektverantwortlichen veröffentlichten aber jüngst einen Zwischenbericht. Diesem ist zu entnehmen, dass das Sportstunden-Obligatorium ersatzlos aus dem Bundesgesetz gestrichen und die körperliche Ertüchtigung somit Sache der Kantone werden soll.
Wer zahlt, bestimmt
Dabei gehe es nicht darum, den Sportunterricht zu schwächen, sondern um eine ordnungspolitisch sinnvolle Aufteilung. Denn wer nicht zahle, habe nicht zu bestimmen, lässt sich Mitte-Ständerat Benedikt Würth von den Tamedia-Zeitungen zitieren. So sei die Schule Sache der Kantone, wo der Bund keine Leistungen vorzuschreiben habe. Der schweizerische Verband für Sport an der Schule (SVSS) lehnt sich dagegen auf. Gemeinsam mit dem Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), dem Syndicat des Enseignant.es Romand.es (SER), der Allianz Bewegung, Sport und Gesundheit (ABSG) sowie Swisscoach warnt er in einer Medienmitteilung vor dem Abbau.
«Der obligatorische Sportunterricht ist eine nicht verhandelbare Grundlage der Gesundheitsförderung, Chancengleichheit und schulischen Bildung.» Der obligatorische Sportunterricht an Schulen zähle zu den wirksamsten und günstigsten Präventionsmassnahmen und erreiche alle Kinder und Jugendlichen unabhängig von Herkunft und sozialem Umfeld. Darüber hinaus verursache Bewegungsmangel erhebliche Folgekosten. Nationale Mindeststandards im Sportunterricht seien daher eine Präventionsmassnahme.
Es fehlt an Turnhallen
Dass die Kantone keine Sportstunden streichen würden, hält die Allianz für unwahrscheinlich: «Die Stundentafeln würden stärker von Sparprogrammen oder politischen Prioritäten abhängen.» Derzeit fehlt es in der Schweiz an vielen Turnhallen. Derzeit läuft die Konsultationsphase für Kantone und Gemeinden bis Anfang Juli. Die Allianz fordert alle politischen Verantwortlichen dazu auf, sich für eine ablehnende Stellungnahme einzusetzen.
