LEBENSRAUM SCHULE

Heimatkunde, die begeistert

Die Schule holt Kinder dort ab, wo sie wohnen. Schon vor 100 Jahren. Ein Lehrer kritisierte damals jedoch, dass Heimatkundeunterricht zu uninspiriert sei.

Zeitungscollage zeigt ein Mädchen, das eine Landkarte liest.
Kartenlesen ist wichtig, aber Heimatkunde beinhaltet noch anderes Wissen. Foto: iStock/travnikovstudio (bearbeitet, pdi)

Schule soll Wissen nicht nur vermitteln, sie soll für Wissen begeistern. Das klingt sehr modern, für manche auch etwas übertrieben. Doch die Forderung ist nicht neu, die Lösung auch nicht. Das zeigt ein Blick in die «Schweizerische Lehrerzeitung» von 1924.

Die Frage aller Lehrerfragen

«Wie kommen wir dem Leben der Heimat näher, das uns doch immer zwischen den Händen zerrinnt, wenn wir es fassen wollen?», fragte Fritz Gansberg damals. Sehr wahrscheinlich handelt es sich bei ihm um einen Reformpädagogen aus Bremen. Gansberg beklagte, dass vom eigentlichen Leben in der Heimatkunde wenig zu spüren sei. Der Unterricht werde dominiert von Karten und strukturiertem Wissen. Doch die Orientierung im Raum spielte seiner Meinung nach «nur eine, und zwar eine untergeordnete Betrachtungsweise des Lebens der Heimat», schrieb er.

Der Pädagoge wollte den Wissensdurst seiner Schülerinnen und Schüler wecken. Etwas müsse sie aus dem Alltagstrott reissen, forderte er. Erst die «Wiedergabe des Ungewöhnlichen» mache die Lernenden empfänglich für den wesentlichen Charakter des heimatlichen Lebens. Seine Lösung: «Die Erzählung muss die Grundlage der Heimatkunde schaffen.» Dafür bat er seine erzählfreudigen Kollegen um Unterstützung. Da sah er sich ganz in der Tradition der grossen Dichter und Denker. Heute würde er – ganz Hollywood – mehr Storytelling fordern. 

Autor
Patricia Dickson

Datum

28.05.2026

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