Pro: Daniela Schädeli
Als Initiantin bin ich dankbar, dass wir den Schulversuch Jahresschule in Belp durchführen dürfen. Denn es braucht eine konkrete Antwort auf die hohe zeitliche und emotionale Belastung der Lehrpersonen. Im gegenwärtigen Schulsystem erleben Lehrpersonen eine erhöhte Arbeitsbelastung während der 39 Schulwochen, welche in den 13 Wochen unterrichtsfreier Zeit kompensiert wird. Der Arbeitsrhythmus ist dadurch wellenartig ausgestaltet: Sprint, Erholung, Sprint, Erholung und so weiter. In der Jahresschule versuchen wir, die Arbeitsbelastung regelmässiger über die 46 Arbeitswochen zu verteilen. Durch die neue Verteilung der Arbeitszeit steht mehr Zeit für Vor- und Nachbereitung, Schulentwicklung, Zusammenarbeit und Weiterbildung in den Schulwochen zur Verfügung.
Durch die Kombination von Volksschule und Tagesbetreuung am selben Ort profitieren die Lehrpersonen vom tieferen Betreuungsschlüssel der Tagesbetreuung.
Als Beispiel: Eine Lehrperson mit einem 80-Prozent-Pensum arbeitet pro Woche zwei ganze Tage mit den Kindern direkt und hat zwei Tage Zeit für alles Weitere. Das Ziel dieser Arbeitszeitgestaltung ist es, dass in den ordentlichen fünf Wochen Ferien auch wirklich Erholung angesagt ist und nicht dauernd der Druck, was alles noch gemacht werden müsste, mitschwingt. Durch die Kombination von Volksschule und Tagesbetreuung am selben Ort profitieren die Lehrpersonen zudem vom tieferen Betreuungsschlüssel der Tagesbetreuung (10:1), was dazu führt, dass konstant mindestens drei Lehr- und Betreuungspersonen als interdisziplinäres Team für die Klasse verantwortlich sind, ohne dass dies mehr Ressourcen braucht als heute. Der Schulversuch Jahresschule ist eine konkrete Antwort. Indem die Arbeitszeit regelmässiger übers Jahr verteilt, eine konstante interdisziplinäre Zusammenarbeit etabliert und Verantwortung geteilt wird, sollen Lehrpersonen entlastet werden.
Ob uns dies alles gelingt, weiss ich nicht. Wir versuchen es. Ganz nach dem Motto der Jahresschule: gwundrig, muetig, mitenang.
