Für rund 21 Unterstufenkinder in der Gemeinde Belp bei Bern ticken die Uhren seit Mitte August anders. Die Kinder haben neu an vier Tagen Schule – der Mittwochnachmittag und der Freitag sind frei. Dafür haben sie statt 13 nur 6 Wochen Schulferien. Sie nehmen an einem Schulversuch teil, der während dreier Jahre das Modell der sogenannten Jahresschule testet. Mit dem Schulversuch soll die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf besser gelingen, da sich die Ferien der berufstätigen Eltern und der Kinder annähern und weniger ausserschulische Betreuung nötig wird.
Belastung besser verteilen
Das alternative Schulmodell soll gemäss der Initiantin Daniela Schädeli auch die Lehrpersonen entlasten. Die Abteilungsleiterin für Familie und Bildung in der Gemeinde Belp sieht den Vorteil unter anderem in der regelmässigeren Verteilung der Arbeit auf die 46 Arbeitswochen der Lehrpersonen. Dafür bleibe in den Ferien wirklich Zeit für die Erholung. Gemäss einer Umfrage, die der Lehrerinnen- und Lehrerverband Bildung Aargau unter seinen Mitgliedern im Frühling 2026 durchgeführt hat, können sich dennoch nur rund zehn Prozent der Befragten einen ähnlichen Schulversuch vorstellen. Befürchtet wird unter anderem, dass die Schultage in einer Viertagewoche dichter würden. Andere argumentieren, dass aufgrund des verlängerten Wochenendes für die Kinder der Einstieg am Montag mehr Zeit in Anspruch nehmen könnte. Insbesondere für den Zyklus 1 erachtet ein Teil der Befragten das Modell als schwer umsetzbar. Der Schultag dauert beim Belper Versuch bis 16.30 Uhr. Bei Unterstufenkindern nehme die Konzentration häufig schon um 15 Uhr ab, so die Kritik. Die Jugendorganisation Pro Juventute wirft zudem die Frage auf, ob der Schulversuch dem Erholungsbedürfnis von Kindern genügend Rechnung trägt.
