BÜCHER UND MEDIEN

Freundinnen kämpfen für ihre Badi

Der Schweizer Film «Plitsch Platsch Forever» erzählt die Geschichte einer Mädchenfreundschaft und würdigt dabei auch die hiesige Politik- und Badikultur.

Pola (Neah Hefti) will die lokale Badi und damit auch ihre Freundschaft retten. Foto: DCM Film Distribution

Vom Drei-Meter-Brett springen, Gummischlangen horten, Badi-Pommes snacken und Fussball spielen. Kurz: der perfekte Sommer für Kinder. Im Film «Plitsch Platsch Forever» sagt es die elfjährige Pola (Neah Hefti) so: «Das ist jetzt schon der beste Sommer meines ganzen Lebens!» Regisseurin Natascha Beller («Die fruchtbaren Jahre sind vorbei») erzählt in ihrem neuen Film die Geschichte von Pola, die zunächst mit ihrer besten Freundin Polly (Zazie Mawete) den Start der Schulferien in ihrer geliebten Badi in der fiktiven Gemeinde Rotwil geniesst.

Freundschaft in Gefahr

Die Sommeridylle hält jedoch nicht lange: Plötzlich stehen die Mädchen vor verschlossenen Türen. Die Filteranlage ist kaputt, für die Sanierung fehlt das Geld. Die Badi wird geschlossen und Pollys Eltern, die im Plitsch Platsch das Café betreiben, entscheiden sich, nach Kanada auszuwandern. Die symbiotische Freundschaft der Mädchen wird auf die Probe gestellt.

Ein Plan muss her. Pola beschliesst, alles daran zu setzen, damit die Badi wieder geöffnet wird – und Polly zurückkehren kann. Unterstützung kriegt Pola von ihrer hochbegabten Mitschülerin Rosalie (Alva Maurer), die schon lange mit Pola befreundet sein möchte. Die Mädchen schlagen der Stadtpräsidentin (Michèle Rohrbach) vor, das Plitsch Platsch als energieeffiziente Bio-Badi wiederzueröffnen und Rotwil damit zum ökologischen Vorbild zu machen. Für die Freundinnen beginnt ein Wettrennen gegen die Zeit. Sie müssen innert Kürze tausend Unterschriften für eine Petition sammeln, um das Bad zu retten.

Komplexe Themen kindgerecht

Dem Film gelingt es, Themen wie Freundschaft und Zusammenhalt für ein junges Publikum verständlich aufzugreifen. Auch komplexe Themen wie Demokratie, Widerstand und Umweltschutz werden gut und zeitgemäss erklärt. Trotzdem drückt der Film nicht zu schwer aufs Gemüt: Der Humor der Figuren ist leicht und kindgerecht, etwa, wenn sich die Kids lachend französische Schimpfwörter beibringen. Und die Dialoge klingen natürlich. Man nennt sich gegenseitig schon mal «Bro», «cringe» oder «voll ehrenlos». Obwohl der Film sich an jüngere Zuschauende richtet, birgt die Komödie auch Lebenslektionen für Erwachsene. Etwa die Erkenntnis, dass Veränderung im Leben unumgänglich ist, aber dass sich die Umstände deswegen nicht verschlechtern müssen.

Die Figuren sind sympathisch und angenehm realitätsnah geschrieben: So ist die Stadtpräsidentin tief versunken im Mental-Load einer frischgebackenen Mutter und pumpt während einer Sitzung Milch ab. Ziemlich gelungen ist neben dem überzeugenden und natürlichen Schauspiel der Kinderdarstellerinnen und -darsteller auch die Diversität, die im Film stattfindet, ohne hölzern oder erzwungen zu wirken. Polly hat zwei Mamis, eine Mitarbeiterin der Badi hat Trisomie 21. Die Figuren sind alt und jung, und sie sprechen verschiedene Dialekte und Akzente. Pola erklärt, wie sie mit ihrem alleinerziehenden Mami aus Polen in die Schweiz kam und erst mal gar nichts verstand: «Wir wussten nicht, was Muki-Turnen ist.» Mit «Plitsch Platsch Forever» ist Natascha Beller eine liebevolle, warme Hommage an die Schweizer Badikultur und an die Schönheit von Freundschaft gelungen. Der Kinderfilm vermittelt starke Werte – und macht dabei auch noch Lust auf die Glace in der Lieblingsbadi.

Schulvorführungen

Der Film läuft seit dem 16. April in der Deutschschweiz. Für «Plitsch Platsch Forever» sind mehrere Schulvorstellungen geplant, für die sich Klassen online anmelden können. Zusätzliche Vorstellungen können ab 35 Personen in einem regionalen Kino zu ermässigten Eintrittspreisen von zehn Franken pro Kind gebucht werden. Ab 65 Personen organisiert der Verein Kinokultur ein Gespräch mit der Regisseurin. Begleitendes Unterrichtsmaterial ist vorhanden. Mehr Informationen: kinokultur.ch

Autor
Vanja Kadic

Datum

26.05.2026