Ausstellung

Eine Megaschlacht zwischen Mythos und Gemetzel

Wie wird Geschichte geschrieben? Dies fragt eine Ausstellung des historischen Museums in Bern zur Schlacht bei Murten und schlägt einen Bogen in die Gegenwart.

Ein Mann und zwei Kinder stehen vor dem grossen Panoramabild der Schlacht bei Murten.
Herzstück der Ausstellung ist ein gigantisches, digitalisiertes Panoramagemälde. Foto: Bernisches Historisches Museum

Die Dimensionen sind gewaltig: 100 Meter lang und 10 Meter hoch ist das Ölgemälde im Original. Das Panorama zeigt die Schlacht bei Murten. Anlässlich des 550-Jahr-Jubiläums ist im bernischen historischen Museum eine digitalisierte Version ausgestellt. Mit der Ausstellung «Murten, ausgeschlachtet. Ein Sieg wird in Szene gesetzt» will das Museum den Mythos der Murtenschlacht kritisch beleuchten. Dabei geht die Ausstellung den Fragen nach, wer die Geschichte von Kriegen schreibt und wem die Inszenierung eines Krieges nützt. 

Die Schlacht bei Murten gilt bis heute als identitätsstiftender Sieg für die Eidgenossenschaft und hat sich in das kollektive Gedächtnis der Schweiz eingebrannt. Am 22. Juni 1476 besiegten die eidgenössischen Truppen und ihre Verbündeten die Armee des burgundischen Herzogs Karl des Kühnen. Die Schlacht war kurz, aber grausam: Innerhalb weniger Stunden verloren rund 10 000 Menschen ihr Leben.

Wer siegt, erzählt die Geschichte

Die Ausstellung im historischen Museum zeigt, wie solche Begebenheiten zu mitreissenden Erzählungen verdichtet werden. Denn oftmals sagt die nachträgliche Inszenierung mehr über den damaligen Zeitgeist aus als über das eigentliche Ereignis. Meist sind es die Siegerinnen und Sieger, die das Bild eines Krieges prägen. Wer unterliegt und stirbt, kann seine Geschichte nicht mehr erzählen. In der Ausstellung wird dieses Thema auch auf jüngere Konflikte übertragen – etwa mit Fotografien vom Irakkrieg aus dem Jahr 2003. 

Zur Ausstellung

«Murten, ausgeschlachtet» im bernischen historischen Museum ist bis Mai 2027 zu sehen. Für Schulen gibt es diverse Vermittlungsangebote. Didaktische Unterlagen unterstützen Vor- und Nachbereitung. Die Angebote sind für angemeldete Klassen kostenlos. An drei Montagen ist die Ausstellung zudem exklusiv für Schulklassen geöffnet. Mehr Informationen: bhm.ch

Aus einer ganz anderen Zeit stammt das Original-Panorama der Murtenschlacht. 1893 liess die Zürcher Panoramagesellschaft das monumentale Bild anfertigen – mehr als 400 Jahre nach der Schlacht selbst. Das Gemälde zielte auf den Geschmack der Massen und sollte Gewinn abwerfen. Vierzig Personen schufen das Bild in nur zehn Monaten. Sie malten das Geschehen von 1476 farbgewaltig, detailreich – und erstaunlich harmlos. Das eigentliche Gemetzel wird kaum wiedergegeben. 

Stattdessen duellieren sich edle Ritter auf grüner Wiese und nahezu ohne Blutvergiessen. Im Museum selbst ist vom Originalbild nur ein kleiner Ausschnitt zu sehen, aufgerollt als Teil einer tonnenschweren Bildrolle. Die restlichen Rollen warten in einem Armeebunker auf ihre Restauration. Vollständig ausgerollt wurde das Bild letztmals anlässlich der Landesausstellung vor über 20 Jahren.

Panoramabild aus 27 000 Einzelbildern

Besuchende können dennoch das ganze Panorama besichtigen. Dafür wird das digitalisierte Gemälde auf eine 360-Grad-Leinwand projiziert. Das Labor für experimentelle Museologie der eidgenössisch-technischen Hochschule Lausanne hat 27 000 Einzelbilder erstellt und diese zu einem 1,6 Terapixel grossen Bild zusammengefügt. Mit einem Controller können Besuchende Szenen auf dem Bild gezielt vergrössern. Das Panorama wird so zu einem immersiven Erlebnis – inklusive Klangkulisse. In offenen Räumen sind weitere Aspekte der Kriegsdarstellung zu entdecken. So machte die Eidgenossenschaft im Kampf mit den Burgundern reiche Beute. 

Einige dieser Kriegstrophäen sind ausgestellt. Ein besonderes Highlight steht vom 26. bis zum 28. Juni an. Dann erwecken rund 80 Darstellende die Schlacht bei Murten im Park des historischen Museums zum Leben. Dabei ist das mittelalterliche Lagergelände am 26. Juni ausschliesslich für Schulklassen zugänglich. Interessierte erhalten einen Einblick in das Leben vor 500 Jahren und in die mittelalterliche Küche. Der Besuch kann mit einer Führung durch die Ausstellung kombiniert werden.

Autor
Mathias Streit

Datum

11.06.2026

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