Schulreise zur Göscheneralp

Dieser Lehrpfad geht steil

Der zehn Kilometer lange Wasserweg von Göschenen zur Göscheneralp ist nicht nur abwechslungsreich, sondern vermittelt auch Wissenswertes rund ums Wasser und zur Fauna und Flora in den Bergen.

Fachausdrücke wie Runsen, V-Täler und Gletschertöpfe werden auf den Schildern der Route anschaulich erklärt. Foto: Roger Wehrli

In der Schweiz denkt man beim Stichwort Göschenen an fast endlos lange Tunnelröhren und ebenso lange Staus. Schon etwas ältere Zugreisende erinnern sich ausserdem an die zahlreichen Kehrtunnels, die das berühmte Kirchlein von Wassen aus drei unterschiedlichen Perspektiven präsentieren. Auch wenn heute die allermeisten Züge durch den Neat-Tunnel rasen, ist das kleine Dorf an der Gotthard-Nordrampe noch immer problemlos per Zug erreichbar. Die schnelle und unkomplizierte Anreise macht die Gegend ideal für Schulreisen.

Abstecher zur Teufelsbrücke

Tatsächlich hat die Region touristisch einiges zu bieten. Zum Beispiel lohnt sich ein Abstecher in die spektakuläre Teufelsschlucht mit ihrer sagenumwobenen Teufelsbrücke. Sie befindet sich auf halbem Weg nach Andermatt. Wem der Aufstieg zu beschwerlich ist, dem sei der Zug hinauf empfohlen. Von dort aus lässt es sich bequem talwärts wandern. Rund um die Teufelsbrücke existiert ein kurzer Rundweg, von wo aus sich die legendäre Brücke und die wild tosende Reuss von verschiedenen Seiten bewundern lassen. 

Beim schwindelerregenden Anblick der schroffen Felsen und der zu Tal stürzenden Reuss wundert man sich kaum über die wilden Geschichten und Legenden, die sich um die Brücke ranken. Lehrpersonen mit einem Flair für Geschichte werden es sich und ihren Schulklassen nicht nehmen lassen, das Suworow-Denkmal links der Teufelsbrücke zu besuchen. Es handelt sich hierbei um ein in den Granitfels gemeisseltes Gedenkkreuz. Es erinnert an die gefallenen russischen Soldaten des Gefechts vom 25. September 1799. An dieser strategisch wichtigen Stelle trafen die Russen auf die verfeindeten napoleonischen Truppen, was zu Opfern auf beiden Seiten führte. 

Auf den Tag genau zweihundert Jahre später weihten auch die Franzosen ihre Gedenktafel am Ort des Geschehens ein. Das grossflächige Gemälde, welches eine unscheinbare Hauswand ziert, zeigt die verfeindeten Soldaten beim gegenseitigen Beschuss.

15 Posten und 800 Höhenmeter

Die Teufelsschlucht mit ihrer Brücke ist eine Möglichkeit, die Gegend rund um Göschenen zu erkunden. Besonders interessant ist die Wanderung von Göschenen zur Göscheneralp. Auf dem rund zehn Kilometer langen Wasserweg entlang der Göschener Reuss präsentiert sich die Natur von ihrer abwechslungsreichen und wilden Seite. Den Themenweg bestimmen Wasser, Gletscher, Geologie, Fauna und Flora. 

Um die Elemente den Besucherinnen und Besuchern näherzubringen, hat der Tourismusverein Göschenen-Göscheneralp einen Themenweg mit fünfzehn Stationen eingerichtet. Die erste Infotafel befindet sich unweit des Bahnhofs beim Wasserkraftwerk. Hier kann man unter anderem nachlesen, dass die Wasserkraft in der Schweiz 60 Prozent der Stromerzeugung ausmacht. Ein Drittel des Stroms wird in den Alpen hergestellt. Dank der zuverlässigen Wasserkraft gibt es kaum Schwankungen im Schweizer Elektrizitätsnetz.

Die Steigung zwischen Göschenen und dem Stausee sollte man nicht unterschätzen.

Diese erste Station des Themenwegs rund ums Wasser könnte auch die letzte sein, falls man den Weg talabwärts machen möchte. Dies ist weitaus weniger anstrengend. Dass dem so ist, bestätigt auch der örtliche Schulleiter, Pirmin Stadler. Er betont, dass, auch wenn die Topografie über weite Strecken moderat erscheine, die Steigung zwischen Göschenen und dem Stausee nicht unterschätzt werden sollte. Der Höhenunterschied beträgt immerhin 600 Meter. Bis zum Hochmoortümpel, dem mit Nummer 15 höchstgelegenen Posten, sind es gar 800 Höhenmeter. Von dort erscheint der noch immer ansehnliche Dammagletscher, der den darunter liegenden Göscheneralpsee mit Wasser speist, zum Greifen nah. 

Nützliche Informationen

Von Zürich ist Göschenen per Zug in eineinviertel Stunden erreichbar. Die Zugfahrt von Göschenen nach Andermatt dauert zehn Minuten. Ab Mitte Juni fährt ein Bus bis zum Stausee auf der Göscheneralp. Das ermöglicht eine Wanderung talabwärts in Teilstücken. Die Wanderung von Andermatt durch die Schöllenenschlucht nach Göschenen dauert ungefähr anderthalb Stunden.

Mehr Informationen: tourismus-goeschenen.ch

Ungefähr ab Mitte Juni erreicht man den zuhinterst im Tal gelegenen Stausee per Bus. Von dort aus wandert man circa zwei Stunden bis Göschenen, während man sich in umgekehrter Richtung auf drei Stunden Wanderzeit einstellen muss. Die weiteren 200 schweisstreibenden Höhenmeter bis zum Hochmoortümpel sind noch nicht mit eingerechnet.

Was ist eine Runse?

Stadler verspricht jedoch, dass sich der Aufstieg lohnt, und dies nicht nur der grossartigen Aussicht wegen. Dort, beim Posten 15, erfährt man Erstaunliches über Flora und Fauna in eisiger Höhe. Auf beinahe 2000 Metern über Meer ist das Klima so hart, dass hier nur wenige Spezialisten ganzjährig leben können. Dazu zählen beispielsweise der Grasfrosch, der Bergmolch und einige wenige Libellenarten. Zu den aussergewöhnlichsten Pflanzen im Hochmoor zählt zweifelsohne der Sonnentau. Um in dieser sauren und nährstoffarmen Umgebung überleben zu können, hat sich die Pflanze im Laufe der Evolution zum Fleischfresser entwickelt. Wandert man talabwärts, erwarten einen die Informationsposten in mehr oder weniger regelmässigen Abständen. Dabei werden teils exotische Fachausdrücke wie Runsen, V-Täler und Gletschertöpfe anschaulich erklärt.

Wie es sich heutzutage gehört, sind alle Beschreibungen zu den verschiedenen Themen wie auch die dazugehörigen Wanderkarten per Handy abrufbar. Allerdings hat man nicht überall eine Verbindung zum Netz. Wer Lust hat, kann auch an einem Spiel teilnehmen. Dabei gilt es, Fragen auf einer Antwortkarte richtig zu beantworten. Diese Karten steckt man entweder beim Stausee oder in Göschenen in den Tourismus-Infokasten. Ende Saison wird ausgelost, wer ein Maskottchen gewinnt.

Frösche beobachten

Dank der guten Verkehrsbedingungen im Sommerhalbjahr ist es problemlos möglich, sowohl Länge als auch Schwierigkeitsgrad der Tour selbst zu bestimmen. Während für Jugendliche der Oberstufe der gesamte Wasserweg machbar ist, rät Primarlehrerin Tanja Senn, mit kleineren Kindern nur einen Teil des Wegs zu machen. Insbesondere die Wegstrecke zwischen den Posten 10 und 11 ist ihrer Ansicht nach sehr anspruchsvoll.

Senns Empfehlung lautet deshalb, mit dem Bus bis zur Haltestelle Wiggen zu fahren. Nebst einer Brätelstelle befinden sich an diesem Ort einige kleine Tümpel, wo die Kinder nicht nur spielen, sondern auch Kaulquappen und Frösche beobachten können. Von dort aus lässt es sich gefahrlos zurück nach Göschenen wandern. Beim Weiler Gwüescht lohnt sich ein kurzer Zwischenstopp. Im «Geissenparadies» haben die Kinder Gelegenheit, Ziegen zu streicheln. Wem der talwärts führende Weg zu kurz ist, der hat die Möglichkeit, vom Posten 11, dem Jäntelboden, talaufwärts bis zum Stausee oder noch höher bis zum bereits beschriebenen Hochmoortümpel zu wandern. Das Schöne dabei ist, dass man sich vor müden Beinen nicht zu fürchten braucht. Denn früher oder später kommt ein Bus, der einen sicher zurück nach Göschenen bringt.

Autor
Roger Wehrli

Datum

09.03.2026

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