Neuerscheinung

Die Zeichnerin und die Kinder im Bann des Handys

Was bedeutet es für Kinder, ein eigenes Handy zu haben? Comiczeichnerin Kati Rickenbach veranschaulicht in «Alle haben ein Handy ausser ich!» wie wichtig, aber auch schwierig das ist. Der Comic ist eine von mehreren Geschichten aus dem SJW-Verlag über sozialen Druck und Identitätsfindung.

Zeichnerin und Autorin Kati Rickenbach erzählt die Geschichte der zehnjährigen Emma, die endlich auch ein Handy haben will. Foto: Christian Zürcher

Emma will ein Handy. Ihre Eltern haben dafür aber kein Verständnis. Sie sagen: «Du kriegst ein Handy, wenn du zwölf bist. Ende der Diskussion.» Leider ist Emma erst zehn. Erledigt ist das Thema damit für sie aber nicht. Denn sie sagt: «Alle haben ein Handy ausser ich!». So lautet auch der Titel der Comicgeschichte der Schweizer Zeichnerin Kati Rickenbach. 

Emmas Geschichte ist allerdings mehr als Fiktion. Ein Erlebnis ihrer Tochter hat Rickenbach dazu inspiriert. «Die Welt der Kinder in diesem Alter ist mir sehr vertraut. Die Bilder waren schon in meinem Kopf», sagt Rickenbach, die auch immer wieder Schüler und Schülerinnen im Atelier zu Besuch hat.

«Wir Eltern haben eine Vorbildfunktion.»

Die Comiczeichnerin zeigt mit alltäglichen Szenen, dass das Klassenleben nicht nur in Schulzimmern, sondern auch in Chats stattfindet. In der Geschichte kursiert dort gerade ein Klassenfoto, über das die Kinder tuscheln. Emma weiss aber nicht, warum ihre Mitschülerinnen und Mitschüler auf dem Pausenplatz über sie lachen.

Wer kein Handy hat, bleibt aussen vor

Die Situation macht Emma wütend. In der Schule fühlt sie sich ausgeschlossen, von den Eltern unverstanden. Diese wollen sie vor zu viel Bildschirmzeit schützen. «In deinem Alter sollte man draussen mit seinen Freundinnen spielen, anstatt auf einen Bildschirm zu starren», sagt die Mutter, ohne von ihrem Handy aufzuschauen. 

Die Comiczeichnerin spielt bewusst mit diesem Widerspruch, zeigt, wie absorbiert alle mit der digitalen Welt sind. Ein Vorwurf ist das nicht – mehr eine Tatsache, die Jung und Alt herausfordert. Auch sie lese nach Feierabend noch Nachrichten auf dem Handy oder scrolle sich zum Zeitvertreib durch ihren Social-Media-Feed. Als Künstlerin pflegt Rickenbach aktiv ihren Instagram-Account. Als Mutter versucht dennoch sie ein Gleichgewicht von On- und Offline zu finden: «Eltern haben eine Vorbildfunktion. Wir müssen achtsamer mit dem Handy umgehen.»  

Realität ohne Schreckensszenarien

«Alle haben ein Handy ausser ich!» ist eine unterhaltsame Erzählung, die viel Verständnis für die Protagonistin und einen Sinn für Realität zeigt. Auf düstere Schreckensszenarien hat Rickenbach verzichtet. Sie zeigt dafür umso besser, wie schnell sich Kinder über ein harmloses Bild lustig machen und wie verletzend das für die Betroffene sein kann. 

Comiclesungen

Kati Rickenbach (geboren 1980) lebt und arbeitet als Illustratorin und Comiczeichnerin in Zürich. Sie zeichnet für Zeitungen, Magazine und hat mehrere Graphic Novels veröffentlicht. Sie tritt auch als Live-Zeichnerin auf und besucht Schulen für Workshops oder Comiclesungen. Mehr Informationen: katirickenbach.ch  

Mit Comic-Lesungen erzählt Rickenbach Emmas Geschichte an Schulen. Die Kinder, aber auch für die Lehrpersonen würden sich in der Geschichte wiedererkennen. «In Klassenchats ist Mobbing ein grosses Thema», sagt Rickenbach. Bevor sie jeweils, das Geheimnis um den Chat von Emmas Klasse lüftet, fordert sie die Kinder auf, selbst zum Stift zu greifen. Sie sollen zeichnen oder schreiben, was da im Chat zu sehen sein könnte.

«Die Schülerinnen und Schüler wissen genau, was läuft.»

Das Resultat lasse tief blicken: Viele skizzierten Chatverläufe mit Beleidigungen. Häufig stünde da, jemand «sieht aus wie ein Schwein», sei «gruusig» oder «stinke». Die Schülerinnen und Schüler zeichneten auch Fotos, die mit Filter oder mit KI manipuliert wurden. Das Bewusstsein der Kinder hat die Comiczeichnerin überrascht: «Sie wissen genau, was läuft.»

Für die Comic-Zeichnerin ist klar: Die Schülerinnen und Schüler wollen online sein, aber sich dort auch sicher fühlen können. Mit Emmas Geschichte hat sie einen Ausgangspunkt geschaffen, um Probleme zu benennen, und gemeinsam einen guten Umgangston, eine sogenannte Nettiquette, zu finden. Ein Glossar auf der letzten Seite erklärt die wichtigsten Begriffe für jene, die noch nicht sehr erfahren im Umgang mit Handy und Internet sind.

Bestellungen

Alle Hefte des schweizerischen Jugendschriftenwerks (SJW) für Schulen und Private können online für je sieben Franken bestellt werden. Zu ausgewählten Geschichten ist auch Unterrichtsmaterial erhältlich. Mehr Informationen: sjw.ch

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Autor
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Datum

03.09.2026

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