Schulsport

Aus Scham und Angst bleibt die Dusche oft unbenutzt

Drei von fünf Kindern und Jugendlichen duschen nach dem Turnunterricht selten bis nie. Sportlehrpersonen fordern nun mehr Privatsphäre in Umkleidekabinen und treffen damit einen Nerv.

Gemeinschaftsduschen mangelt es an Privatsphäre. Bei künftigen Schulbauten soll besser auf die Bedürfnisse der Benutzenden geachtet werden, fordert der SVSS. Foto: iStock/Ralf Geithe

Gemeinsames Duschen nach dem Sport ist für viele das Normalste der Welt. Andere hingegen verspüren Scham und haben Mühe damit, vor anderen nackt zu sein. Manche fürchten sich auch davor, dass heimlich Aufnahmen von ihnen gemacht und anschliessend verbreitet werden. «Dass sich immer mehr Kinder und Jugendliche in der Umkleidekabine unwohl fühlen, fällt uns schon seit einiger Zeit auf», sagt Jonathan Badan. Er ist Co-Präsident des Schweizerischen Verbands für Sport in der Schule (SVSS). 

Eine vom Verband in Auftrag gegebene Studie der Universität Lausanne zum Thema hat letztes Jahr ein grosses Echo in den Medien ausgelöst. Die Umfrage unter 458 Sportlehrpersonen zeigte, dass sich nach deren Einschätzung knapp 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler manchmal bis immer beim Duschen schämen, 35 Prozent empfinden Scham lediglich beim Umziehen. Das hat zur Folge, dass mehr und mehr Kinder und Jugendliche das Duschen meiden. Rund 60 Prozent duschen laut Einschätzung der befragten Sportlehrpersonen selten bis nie nach der Unterrichtsstunde, lediglich sechs Prozent würden dies immer tun. Mangelnde Hygiene und unangenehme Gerüche in den anschliessenden Schulstunden sind die Folge. Wie lässt sich dieses Problem lösen?

Schulsportverband fordert Umdenken

Nach der Studie hat der Schulsportverband eine Empfehlung für den Bau von Umkleide- und Sanitärräumen in Sporthallen veröffentlicht. Weil kollektive Umkleideräume nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen der Nutzenden entsprechen würden und die mangelnde Privatsphäre bei manchen zu Unbehagen führe, fordert der SVSS ein Umdenken. So solle bei Neubauten, Umbauten und Renovationen dafür gesorgt werden, dass es neben gemeinschaftlichen Umkleide- und Duschräumen auch Einzelkabinen hat. «Jenen, die sich unwohl fühlen, wird auf diese Weise eine Wahl gegeben», sagt Badan. Wichtig dabei sei, dass Schülerinnen und Schüler selbst entscheiden können und für die Benutzung der Einzelkabinen nicht erst die Einwilligung der Lehrperson benötigen.

Kommentar zum Thema von LCH-Geschäftsführerin Antoinette Killias auf LCH.ch: «Das Smartphone gehört nicht in die Umkleidekabine»

Schulbehörden meldeten sich

Die Umfrage und die veröffentlichten Empfehlungen haben sich aus Sicht des SVSS gelohnt. So erhielt Badan nicht nur positive Rückmeldungen von Eltern, deren Kinder mit diesem Problem zu kämpfen haben. «Auch Schulbehörden aus mehreren Kantonen, die gerade im Planungsprozess von Schulbauten sind, meldeten sich, um über ihre Projekte zu sprechen», betont Badan. Aber es gebe auch kritische Stimmen. «Manche finden, das Duschen in der Gruppe sei in ihrer eigenen Jugend kein Problem gewesen, dann sei es heute auch kein Problem», sagt Badan. Die Zeiten hätten sich jedoch geändert, wie er festhält.

Gibt es auch pädagogische anstelle von baulichen Massnahmen, die das Problem entschärfen würden? Eine tragende Rolle könnte das Smartphone spielen. Rund 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler aller befragten Lehrpersonen dürfen dieses mit in die Umkleidekabine nehmen. Dies befeuert die Angst vor heimlichen Nacktfotos und deren Verbreitung.

Derzeit läuft eine zweite Erhebung, deren Fokus darauf liegt, was aus pädagogischer Sicht getan werden kann, um Jugendlichen einen gesunden Umgang mit dem Körper zu vermitteln und ihnen die Angst vor der Umkleidekabine zu nehmen. Wann die Ergebnisse veröffentlicht werden, steht noch nicht fest.

Autor
Alex Rudolf

Datum

18.03.2026

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