Kantonale Abstimmungen

Zürich erteilt Berufsauftrag eine Abfuhr

Mit 59,2 Prozent der Stimmen votiert das Stimmvolk des Kantons Zürich gegen das neue Lehrpersonalgesetz. Dieses hätte die Arbeit, die Lehrerinnen und Lehrer unentgeltlich leisten, reduziert.

Lehrperson erklärt Mädchen etwas
Neben dem Unterricht verbringen Lehrpersonen viel Zeit mit administrativen Aufgaben. Dafür erhalten Zürcher Lehrpersonen der Volksschule aber nicht mehr Zeit. Foto: iStock/FatCamera

Einzig die Bevölkerung der Stadt Zürich votierte am 27. September mehrheitlich für das neue Lehrpersonalgesetz. Die restlichen Gemeinden sprachen sich gegen den neuen Berufsauftrag für Lehrpersonen aus und machten mit 59,2 Prozent die Mehrheit aus. Die kantonale Vorlage war komplex. Im Kern ging es darum, dass Lehrpersonen der Volksschule mehr Zeit für administrative Aufgaben bekommen sollen.

Die abgegoltene Zeit für die Vor- und Nachbereitung von Lektionen hätte erhöht werden sollen. Neu hätten die Aufgaben von Klassenlehrpersonen mit 160 anstelle von 100 Stunden vergütet werden sollen. Zürcher Gemeinden, die SVP und die FDP ergriffen das Referendum.

«Wir sind enttäuscht über dieses Resultat», schreibt die Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands (ZLV) Lena Fleisch in einer Mitteilung. Im heutigen Berufsauftrag stehe den Lehrpersonen zu wenig Zeit für wichtige Aufgaben zur Verfügung. Insbesondere der ausgewiesene Mehraufwand für Klassenlehrpersonen bleibe bestehen. Vom Zürcher Kantonsrat erwarte man, dass zumindest für diese Verbesserungen umgesetzt werden.

Doch auch für die restlichen Lehrpersonen besteht Handlungsbedarf: «Es kann nicht die Lösung sein, dass die Qualität unserer Volksschule dauerhaft von unbezahlter Überzeit der Lehrpersonen abhängt», so Fleisch weiter. Nun müsse man schauen, welche Aufgaben innerhalb der vorhandenen Arbeitszeit geleistet werden und was künftig weggelassen werden könne.

Kein Nein zu Lehrpersonen

Für das Referendumskomitee war das Ergebnis erfreulich. Denn mit der Ablehnung würden jährliche Mehrausgaben von 83 Millionen Franken verhindert. Diese Ausgaben hätten kein konkretes Problem gelöst, heisst es in einer Medienmitteilung der FDP Kanton Zürich. Man betont derweil, dass das Nein des Stimmvolkes kein Nein zu Lehrpersonen sei, sondern ein Nein zu breit angelegten und dauerhaft teuren Lösungen.

Auch die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Mitte) begrüsst das Resultat. Aber die Belastung für Lehrpersonen insbesondere Klassenlehrpersonen sei real. Die 100 Stunden, die ihnen für Aufgaben wie Elterngespräche oder Zeugnisse schreiben zur Verfügung stehen, entsprächen nicht mehr der Realität. Nun werde die Regierung prüfen, wie der Berufsauftrag angepasst werden könne. Aber eine neue Vorlage wolle man nicht unmittelbar präsentieren, sagte sie vor den Medien.

Autor
Alex Rudolf

Datum

28.09.2026

Publikation
LCH News