Freude an Fremdsprachen wecken
Die beiden Lehrerinnen aus Uetendorf, Caroline Erni und Nicole Eicher, führen bereits zum vierten Mal einen Klassenaustausch durch. «Mir liegt die französische Sprache sehr am Herzen», erklärt Erni ihre Motivation. «Mit einem Austausch kann man bei Kindern auf einfachste Art die Freude an Sprachen wecken.» Sie habe die Erfahrung gemacht, dass der Austausch die Motivation fürs Sprachenlernen erhöhe, Barrieren abbaue und so einen enormen Mehrwert bringe.
Auch Isabelle Tomaz-Duarte, Lehrerin aus Neuchâtel, nimmt am Klassenaustausch teil, damit die Kinder gleich zu Beginn des Deutschlernens ein Ziel haben und erleben, warum es sinnvoll ist, Deutsch zu lernen. «Die Brieffreundschaften und das gemeinsame Spielen motivieren sie», ist Tomaz überzeugt.
Diese Art des Sprachaustauschs hat für die Kinder viele Vorteile. Sie kommunizieren über die Sprachgrenzen hinaus und lernen eine neue Region der Schweiz kennen, eine andere Schule, andere Kinder. «All das ist wichtig, damit Kinder offen für Neues sind», betont Tomaz.
Kennengelernt haben sich Erni und Tomaz vor einigen Jahren über eine gemeinsame Bekannte. Seither hat der Klassenaustausch zwischen Uetendorf und Neuenburg alle zwei Jahre Tradition. Der Austausch läuft jeweils gleich ab: Im Herbst besuchen die Kinder aus Neuchâtel einen Tag lang die Uetendorfer Schule. Im Sommer darauf gehen die Deutschschweizer Kinder auf eine zweitägige Schulreise in die Romandie und treffen dort auf ihre «copins» und «copines». Dazwischen schreiben sich die Kinder regelmässig Briefe und Postkarten. Alle haben fix zugeteilte persönliche Brieffreundschaften.
Zweite Landessprache mit Memory lernen
Schon bald ist es Mittag und die Kindergruppen bereiten aus Fertigteig, Tomaten, Mozzarella, Champignons und Fleisch ihre Pizzen zu. Die Zutaten dafür haben sie vorgängig mit einem Memory in beiden Sprachen gelernt. Mit Zeichen klappt die Kommunikation sehr gut. Danach dürfen sie zusammen spielen gehen. Die einen vergnügen sich mit Kartenspielen, die andern toben sich draussen aus. «Was heisst ‹ziehen›?», fragt ein Kind eine Lehrerin. Mit dem neuen Wort «tirer» und entsprechenden Armbewegungen kann es nun dem Gspänli klarmachen, was es mit dem rollenden Brett und dem Seil vorhat. Im Spiel verschwinden die sprachlichen Barrieren schnell.
«Es wäre schade, wenn wir uns nicht unterhalten könnten.»
Die Kinder aus Uetendorf hegen unterschiedliche Gefühle gegenüber der zweiten Landessprache, in der sie unterrichtet werden: «Ich finde es wichtig, dass wir Französisch lernen, obwohl es nicht so Spass macht», sagt ein Mädchen und ergänzt: «Französisch ist eine Sprache der Schweiz. Es wäre schade, wenn wir uns nicht unterhalten könnten.» Ein anderes Mädchen sieht es ähnlich: «Ich finde es cool, dass man in der Schweiz auch Französisch spricht und es verschiedene Sprachen gibt.» Andere schwanken zwischen Begeisterung und Antipathie: «Ich finde Französisch solala. Am Anfang war ich begeistert, dann fing es immer mehr an zu nerven. Aber ein bisschen cool ist es schon auch.» Einheitlicher ist das Bild bei den französischsprachigen Kindern: Viele von ihnen äussern sich positiv über das Deutschlernen. Sie erachten Deutsch als wichtige Sprache. Ihr Tag in der Deutschschweiz ist im Nu vorbei. Beim Abschied winken sich die Klassen lange nach und auf dem Heimweg nach Neuchâtel fällt im Zug das eine oder andere deutsche Wort.