Die Lehrstellensuche ist für viele Jugendliche der erste Moment, in dem sie sich ausserhalb von Schule und Familie behaupten müssen. Die Zeit ist geprägt von Hoffnungen, Enttäuschungen und von der Frage, ob man «gut genug» ist. Lehrpersonen, Eltern und Fachstellen können ihnen diese Last nicht abnehmen. Sie können aber Orientierung geben, Erwartungen einordnen und versichern, dass Rückschläge dazugehören.
Jonas Egli begleitet seit über 25 Jahren Jugendliche auf diesem Weg – vom spielerischen Erforschen erster Interessen bis zum Antritt der Lehrstelle. Als Klassenlehrer am Oberstufenzentrum (OSZ) im bernischen Zollbrück erlebt er täglich, wie viel Mut dieser Übergang erfordert und wie unterschiedlich Jugendliche damit umgehen. Die berufliche Orientierung im Schulunterricht und die Begleitung bei der Lehrstellensuche seien zentral, betont er, denn am Ende der neunten Klasse brauche es für alle Schülerinnen und Schüler eine Anschlusslösung. Die gute Nachricht: Heute sei das bei fast allen Jugendlichen der Fall, sagt Egli. Besonders im ländlichen Emmental gebe es aufgrund sinkender Geburtenzahlen mehr Lehrstellen als früher. «Vielleicht ist es nicht immer der bevorzugte Betrieb, aber im Grunde finden heute fast alle eine passende Stelle.»
Langsame Annäherung
Wenn Egli seine Schülerinnen und Schüler nach der neunten Klasse in die Lehre verabschiedet, ist das der Abschluss eines langen Weges. Am OSZ Zollbrück etwa setzen sich die Jugendlichen schon im ersten Oberstufenjahr mit Fragen der beruflichen Orientierung auseinander. Im zweiten Jahr folgen erste Schnuppererfahrungen, bevor es im dritten Oberstufenjahr zunehmend konkret um die Lehrstellensuche geht.
«Wir versuchen, die Eltern möglichst in den Prozess einzubeziehen.»
Diese gestufte Annäherung entspricht auch dem Geist des Lehrplans 21, der die berufliche Orientierung als längerfristigen Prozess versteht: Jugendliche reflektieren ihre Interessen, Stärken und Schwächen, lernen unterschiedliche Berufsfelder kennen und sammeln schrittweise Praxiserfahrungen. Die Schnupperwochen in der dritten Oberstufe markieren dabei oft eine erste grosse Hürde – etwa, wenn es darum geht, passende Betriebe auszuwählen und selbstständig Kontakt aufzunehmen.
Unterstützung komme häufig von zu Hause, erzählt Egli. Die Lehrstellensuche sei eben auch ein Familienprojekt: «Wir versuchen, die Eltern möglichst in den Prozess einzubeziehen», sagt Egli. Sei es durch Elternabende, Standortgespräche oder schriftliche Reflexionen, in denen Jugendliche von ihren Schnuppererfahrungen berichten. Es kommt dennoch vor, dass Jugendliche zögern, Aufgaben vor sich herschieben oder keine Unterstützung von zu Hause erhalten. Wenn Egli das beobachtet, greift er als Lehrer unterstützend ein.
