BÜCHER & MEDIEN

Schulentwicklung für Ambitionierte

Das Buch «Level up» skizziert in 16 Projekten den Aufbau einer kooperativen Schulkultur. Es zeigt auf, warum dies ein erstrebenswertes Ziel ist und wie man es erreicht.

Drei Schulkinder sind in eine Unterhaltung vertieft.
Kinder sollen bei der Entwicklung einer guten Schulkultur mitwirken dürfen. Foto: iStock/evgenyatamanenko

Der Schulalltag ist bestimmt vom Unterricht. Es geht um Lerninhalte, Elterngespräche, lustige und weniger lustige Begebenheiten. Insofern ist es angebracht, auch einmal den Blick über diesen Alltag hinaus zu heben: Wohin soll diese Reise eigentlich gehen? Das ist die Absicht der sechs Autorinnen des schmalen Buchs «Level up» vom Hep-Verlag. 

Im Vorwort bringt Rahel Tschopp die Vision der Autorinnen auf den Punkt. Ihnen schwebt laut Tschopp Folgendes vor: «Eine Schule, in der Kinder ernst genommen werden, echte Selbstwirksamkeit erleben und im ‹Flow› lernen.» Darum brauche es dieses 173 Seiten starke Buch. Tschopp, die sich seit Längerem mit Schulentwicklung befasst, stand den Autorinnen beratend zur Seite.

Buch bricht Fernziel auf einzelne Projekte herunter

«Level up» formuliert also eine Vision für die Schule. Nun ist es mit Visionen meist so eine Sache. Sie sind mit hohen Zielen verbunden. Davor schrecken die Autorinnen nicht zurück. In 4 Haupt- und 16 Unterkapiteln wird ein fortlaufender Entwicklungsprozess skizziert. Der Platz ist knapp, deshalb auch der Raum für Begründungen. 

Dass die einzelnen Projekte Sinn machen, wird quasi vorausgesetzt. Die Reise beginnt bei der Zusammenarbeit mit den Eltern, dann wandert der Fokus zu Schülerinnen und Schülern, zu den Lehrpersonen und am Ende kurz zu den Lernumgebungen.

Zwar lautet der Untertitel des Buchs «Wie eine kooperative Schulhauskultur Motivation, Selbstführung und Resilienz stärkt». Im Buch geht es aber rasch einmal darum, Projekte und deren Umsetzung zu skizzieren. Im Kapitel über Schülerinnen und Schüler etwa sind dies die Entwicklung hin zur Selbstführung, zu sogenannten zu Respektlotsen ausgebildeten Schülerinnen und Schülern, die für ein gutes Miteinander sorgen, zum Coaching, zu fortgeschrittenen Lernerinnen und Lernern, zur Friedensvermittlung und zu demokratischen Entscheidungswegen. 

Letztere lassen sich gemäss «Level up» unter geeigneten Umständen so weit entwickeln, dass ein Schulparlament auch bei Fragen zum Schulbetrieb oder sogar bei Stellenbesetzungen einbezogen wird.

Fundgrube, Leitfaden – mit Überforderungspotenzial

Das Zielpublikum der Hauptautorinnen Geneviève Appenzeller und Tanja Alvesalo erschliesst sich aus deren Hintergrund. Sie arbeiten beide als Schulleiterinnen. Gegliedert sind die Unterkapitel in ein einheitliches Raster, das zu Beginn des Buchs in einer kurzen Leseanleitung erläutert wird: Why (Pain Point), Goal, Core, Top, Timeline & Resources, Be Aware und Taking it further. 

Das Verdienst des Buches ist, dass es eine Vision auf einzelne Projekte herunterbricht. 

Die englischen Begriffe lassen unschwer erkennen: Es geht um Management. Jedes Kapitel mündet denn auch in Umsetzungsschritte. Meist dauert die in mehrere Schritte gegliederte Umsetzung ein Jahr oder länger.

Das Verdienst des Buches ist, dass es eine Vision auf einzelne Projekte herunterbricht. Die Autorinnen bezeichnen «Level up» als Leitfaden. Wer ihn liest, den beschleicht aber ein mulmiges Gefühl: Hier wird die Schule in einem angelsächsischen Sinn als Entwicklungsobjekt angesehen und jenen, die dort ausgebildet werden oder die dort arbeiten, Rollen zugewiesen, in die sie zu passen haben. Insofern sei den Leserinnen und Lesern geraten, das Buch als Inspiration zu sehen, aber nicht als Umsetzungsplan hin zu einer Schule der Zukunft. Es ist sonst gut möglich, dass man dabei auf halbem Weg ausbrennt.

Autor
Christoph Aebischer

Datum

23.10.2026

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