Auch die Renovation der Zürcher Schulhäuser Ilgen A und B, zwei spätklassizistische Bauten von 1877 und 1889, hat sich für Schulleiter Raffael Müller übers Ganze gesehen bewährt. Besonders im Schulhaus A sei die Grösse der Räume komfortabel. Im Schulhaus B, wo die Mittelstufenklassen untergebracht sind, könne es aber mit bis zu 25 Schülerinnen und Schülern pro Klasse ziemlich eng werden.
Zudem würden neue Projekte wie die Begabungs- und Begabtenförderung oder die Weiterentwicklung der schulergänzenden Betreuung zusätzlichen Schulraum erfordern. Schulleiter Müller sagt: «Hier sind oft kreative und unkonventionelle Ideen gefragt, um eine Verdichtung der vorhandenen Raumstruktur zu erreichen.» So habe man etwa ehemalige Materiallagerräume umnutzen können für den DaZ-Unterricht oder die Schulsozialarbeit.
Fazit: Licht, Akustik, flexible Räume
Während die einen sich mit der ganzen Bandbreite pädagogischer Bedürfnisse konfrontiert sehen, wissen andere, dass ihre Schulgemeinde in naher Zukunft kräftig weiterwachsen wird. In Niederwangen wird eine geplante Grossüberbauung bis 2034 wohl für eine Verdoppelung der Bevölkerungszahl sorgen. Deshalb werden auf das Schuljahr 2027/28 Modulbauten für zehn Klassen erstellt.
Auch Spreitenbach wächst und wächst. Aktuell gibt es in der Schulgemeinde zwei grosse Primarschulhäuser, ein drittes soll im September bezugsbereit sein. Für Schulleiterin Stade ist derweil klar, welche Faktoren diese Gebäude zu Beispielen guter schulischer Architektur machen: «Licht ist enorm wichtig für das Wohlbefinden. Das andere ist die Akustik. Vor allem in den Gängen braucht es eine gute Schallisolation und genügend Platz. Sonst kommt es zu Konflikten, die den ganzen Schultag prägen können. Das braucht niemand.»
«Die Architektur ist ein wichtiger und wertvoller Bestandteil, der zu qualitativem Unterricht beiträgt – aber sie ist in der Beziehungsarbeit zu den Kindern nicht alles.»
Balli vom Schulhaus Albisriederplatz betont, wie wichtig der Raum als dritter Pädagoge ist: «Deshalb ist die flexible Nutzung von Zimmern das A und O – besonders im Hinblick auf die stark geänderten Bedürfnisse in den letzten zehn Jahren.»
Auch für Andrea Boller vom Chriesiweg ist Flexibilität ausschlaggebend, aber nicht nur: «Dazu gehört unbedingt auch ein anregend und kinderfreundlich gestaltetes Schulareal.» Und Müller vom Ilgen-Schulhaus ergänzt: «Ein gutes Design, ansprechende Farben und die Qualität der verbauten Materialien sind meiner Ansicht nach wichtige Aspekte für das Wohlbefinden und die Motivation.» Aber auch die Beleuchtung und Belüftung spielten eine Rolle.
«Die Architektur ist ein wichtiger und wertvoller Bestandteil, der zu qualitativem Unterricht beiträgt – aber sie ist in der Beziehungsarbeit zu den Kindern nicht alles. Wir unterrichten in Niederwangen in ganz unterschiedlichen Räumen, nicht alle sind modern ausgestattet und doch sind die Nutzenden glücklich», bilanziert von Känel von der Schule Niederwangen.
Die Standpunkte und Erfahrungen der Schulleitenden zeigen: Das klassische Schulhaus, das aus Flur und Klassenzimmern besteht, hat längst ausgedient. Schulische Architektur sieht sich heutzutage mit zahlreichen Bedürfnissen konfrontiert. Gefragt sind modulare Lösungen, die den Zeitgeist überdauern. Die Herausforderung dabei: All diese Ansprüche und Begebenheiten im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten und baulichen Ausgangslage einer Gemeinde zu verwirklichen.