In der Schweiz lernen 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen ihre besten Freundinnen und Freunde in der Schule kennen. Bei Teenagern sind es sogar über 60 Prozent. Dies ergab eine Umfrage des Gottlieb Duttweiler Instituts, die 2025 publiziert wurde. Für die Freundschaftsstudie wurden über 3000 Kinder und Erwachsene befragt.
«Wir kennen uns aus der Schule», steht mehrfach im Freundschaftsbuch von Marianna Caccese (34), die auch ihre beste Freundin Sarah in der Primarschule kennengelernt hat. Das Freundschaftsbuch von damals hat Caccese aufbewahrt. Heute unterrichtet sie an der Primarschule in Oberägeri im Kanton Zug technisches und textiles Gestalten. «Sarah und ich hatten schon als Kinder viele Gemeinsamkeiten», erinnert sie sich.
Die beiden Freundinnen besuchten die gleiche Klasse, sangen gemeinsam im Chor und waren bis in die späten Jugendjahre im Blauring aktiv. Es ist die typische Biografie einer Kinderfreundschaft. Besonders in der Schulzeit sind diese von gemeinsamen Interessen geprägt. Davor entwickeln sich Freundschaften eher über gemeinsames Spielen. Im Verlauf der Schulzeit gewinnen Vertrauen und Loyalität in einer Freundschaft an Bedeutung.
Die Quintessenz von Freundschaft
Die Freundschaft hat also mehr als ein Gesicht. Die Erziehungswissenschaftlerin Marion Scherzinger fasst es als Quintessenz so zusammen: «Freundschaft ist die Form einer positiven Beziehung. Man ist sich sympathisch und verbringt gerne Zeit miteinander.» Eine Sammlung wie das Freundschaftsbüchlein und Poesiealben spiegeln vielleicht nicht immer enge Beziehungen, aber immerhin freundliche Bekanntschaften wider.
Als Lehrerin verfasst Caccese heute noch hie und da Einträge für ihre Schülerinnen und Schüler. Sie freut sich, dass die Büchlein weiterhin eine Rolle im Schulleben spielen. Sie spricht ihnen eine positive Kraft zu: «Vielleicht ist es für viele einfach eine Bestätigung, dass man gemocht wird.» Und natürlich macht es Spass, die Steckbriefe auszufüllen oder sie zu lesen. Dies schrieben Cacceses Freundinnen ins Freundschaftsbuch:
- Mach ich gerne: «Mit Kolleginnen abmachen.»
- Was ich nicht mag: «Streit, Krieg.»
- Das wünsch ich mir: «Dass ich in die Sekundarschule komme.» oder «Dir wünsche ich, dass du nie ins Krankenhaus musst.»
- Das esse ich am liebsten: «Alles.»
Poesieklassiker wie «Lebe glücklich, lebe froh, wie die Maus in Mexiko» durften natürlich auch nicht fehlen.


