Buchbesprechung
Jugendroman über die Steinzeit – mit einer Schwäche
Wie sah das menschliche Leben vor über 10'000 Jahren aus? Nala und ihr Wolf erleben in einem prähistorischen Jugendroman ein mögliches Szenario. Die Geschichte ist realistisch erzählt und informativ, aber nicht für alle Gemüter geeignet.


«Nala und der Findelwolf» ist ein Jugendroman, der in der Steinzeit spielt. Die Hauptfigur Nala findet einen Wolfswelpen und entscheidet, ihn aufzuziehen. Das ist nicht ganz einfach, denn ausser ihrem Bruder Sami misstrauen die meisten aus ihrem Clan dem Findelwolf.
Archäologie trifft Fiktion
An der Geschichte der Autorin Mena Kost wirkte ein Prähistoriker mit. Die Erzählung spielt sich an verschiedenen Orten auf dem Boden der heutigen Schweiz ab und gibt einen unkomplizierten Einblick in ein Leben, wie es vor 15'000 Jahren vielleicht hätte stattfinden können. Da es damals in dieser Region noch keinen Ackerbau gab, dreht sich Nalas Lebenswelt um die Jagd. Dank ihr erhält Nalas Clan Nahrung und Materialien.
Nicht für alle geeignet
Wie mit dem Thema Jagd umgegangen wird, ist die grösste Schwäche des Buchs: Stets wird deutlich gemacht, dass jedes Tier – mit Ausnahme der Hunde – nicht mehr als eine Ressource ist, ein Ding, dessen Wert nur in Hinblick auf sein Fleisch und andere verwertbare Körperteile gemessen wird. Der Umgang mit den Tieren und ihren Kadavern reicht von kaltblütig bis respektlos. Das könnte gerade junge Leserinnen und Leser abschrecken oder verstören, wenn sie Tiere mögen und Mitleid mit ihnen haben. Da die Lebensweise in prähistorischen Zeiten auf vielen Annahmen beruht, hätte man sich für das junge Zielpublikum des Buchs auch an indigenen Kulturen orientieren können, die Tiere – trotz der Jagd – respektierten und ihnen dankbar waren. Das hätte das Buch vielleicht einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.
Autor
Kevin Fischer
Datum