Lassen sich auch Schülerinnen und Schüler in ein Bauprojekt einbeziehen?
Es gibt Bereiche, wo dies gut möglich ist und auch gut funktioniert. Der Aussenraum ist so ein Ort. Dieser wird häufig erst am Schluss oder sogar nach Bezug der Gebäude fertiggestellt. In diesem Moment können die Kinder ihn mitgestalten. Aber auch die Gestaltung des Klassenzimmers ist eine gute Möglichkeit, die Kinder miteinzubeziehen. Man kann als Lehrperson mit den Kindern herausfinden, in welchem Umfeld sie am besten arbeiten. Und dann gemeinsam die Pulte anders platzieren oder Lernorte einrichten.
Das ideale Schulhaus von früher passt heute nicht mehr so richtig. Wie verhindert man, dass heutige Neubauten dasselbe Schicksal ereilt?
Die Zyklen der pädagogischen Entwicklung sind kürzer als die der baulichen Erneuerung. Diese miteinander in Einklang zu bringen, ist die grosse Herausforderung. Heute versucht man bei Neubauten ein Grundraster zu bilden, in dem sich die Raumgliederung in Zukunft mit relativ geringem Aufwand anpassen lässt. Daneben gibt es Elemente wie Schiebetüren, Vorhänge und so weiter, die eine flexible Raumeinteilung ermöglichen. Allerdings haben solch flexible Lösungen den Nachteil, dass sie den Raum akustisch nicht so gut trennen.
Auch die Hitze ist heute vermehrt ein Thema. Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz fordert einen passiven Hitzeschutz für Schulen. Welche Massnahmen sind am wirksamsten?
Mit passivem Hitzeschutz soll verhindert werden, dass sich die Schulräume überhaupt erst aufheizen. Dabei kann ein aussen liegender Sonnenschutz oder eine Wärmeschutzverglasung genauso wirksam sein wie die Entsiegelung des Pausenplatzes, der sonst als Hitzeinsel die Nachtauskühlung verlangsamt.
Schulhäuser sind meist Schulen vorbehalten. Was halten Sie vom Vorschlag der deutschen Montag-Stiftung, sie breiter zu nutzen?
Unbedingt! Schulgebäude sind öffentliche Infrastrukturen, häufig das Zentrum einer Gemeinde oder eines Quartiers. Hierzulande ist klar, dass der Pausenplatz von der Bevölkerung genutzt wird. Daneben nutzen Sportvereine die Turnhalle oder die Gemeinde hält ihre Versammlung in der Aula ab. Über das ganze Jahr gesehen hat eine Schule mit dem Unterricht alleine eine relativ geringe Auslastung. Deshalb finde ich es auch sinnvoll, dass Unterricht und Tagesschule gewisse Räumlichkeiten gemeinsam nutzen.
«Unabhängig davon, wie sie aussieht, ist es wichtig, dass die Einrichtung des Zimmers zum Unterrichtsverständnis passt.»
Expertinnen und Experten der Schulhausarchitektur schauen gerne nach Dänemark. Zu Recht?
Beispiele aus Dänemark haben dazu inspiriert, Schule als Ort und Institution anders zu denken. In der Zwischenzeit gibt es dafür auch in der Schweiz und im deutschsprachigen Raum viele gute Beispiele.
An welche Schule denken Sie?
Zum Beispiel an die Schule Surbaum in Reinach im Kanton Basel-Landschaft, die ich mit dem Netzwerk Bildung und Architektur besichtigen durfte. Die Schulleitung war in allen Phasen eng in die Entwicklung des Projekts einbezogen. Schule und Neubau sind so zu einer Einheit geworden.
Vielfach wird im Zusammenhang mit Schulbauten vom dritten Pädagogen gesprochen. Ist da etwas dran?
Natürlich hat die gebaute Umwelt eine Wirkung. Es kann sich ihr auch niemand entziehen. Sie ermöglicht oder verunmöglicht gewisse Formen der sozialen Interaktionen. Letztlich ist der räumliche Aspekt nur einer von vielen und für die Qualität des Unterrichts nicht von derart zentraler Bedeutung wie die Beziehung zwischen Schülerinnen, Schülern und Lehrpersonen oder die Art der Aufgabenstellung. Man kann auch in ungeeigneten Räumen guten Unterricht machen.
Was können Lehrpersonen selbst tun, um ihre Lernräume zu verbessern?
Wenn sich eine Lehrperson regelmässig mit der Einrichtung des Klassenzimmers auseinandersetzt, ist das ein sinnvoller erster Schritt. Braucht der Raum ein Hinten und ein Vorne? Wo platziere ich meinen Arbeitsplatz, wenn ich mich als Lernbegleitung verstehe? Unabhängig davon, wie sie aussieht, ist es wichtig, dass die Einrichtung des Zimmers zum Unterrichtsverständnis passt.