Noch keine Standards festgelegt

Was Schulassistenzen leisten können – und was nicht

Schulassistenzen gewinnen an Bedeutung, doch klare Mindeststandards fehlen. Ein Handbuch zeigt nun auf, wie diese aussehen könnten.

Eine Frau begleitet ein Junge beim Spielen.
Welche Rollen sollen Schulassistenzen übernehmen und welche nicht? «Potenzial Schulassistenz» gibt Auskunft. Foto: iStock/Sturti

Bislang ist das Berufsfeld der Schulassistenzen nur wenig formalisiert. Dies, obwohl ihre Rolle immer wichtiger wird. Eine Professionalisierung ist darum dringend notwendig. Das Praxishandbuch «Potenzial Schulassistenz» leistet einen wichtigen Beitrag zu diesem Prozess. Die Autorinnen Denise Da Rin und Adina Baiatu, beide an der pädagogischen Hochschule Zürich tätig, veröffentlichten das Werk 2025 in einer zweiten, erweiterten und aktualisierten Auflage im Hep Verlag.

Ihnen ist damit ein zentrales Werk für Schulassistenzen, Lehrpersonen und Schulleitungen im Schweizer Bildungssystem gelungen. Das Buch positioniert sich als praxisorientiertes Nachschlagewerk, das aufzeigt, wie multiprofessionelle Zusammenarbeit gelingen und der Einsatz von Schulassistenzen lernwirksam gestaltet werden kann. Sie definieren die Rollen so, dass professionelle Grenzen zwischen pädagogischer Verantwortung und assistierender Unterstützung dabei nicht verwischt werden.

Von der Theorie zur Praxis

Das Handbuch folgt einer logischen Gliederung. So wird im ersten Teil grundlegend geklärt, welche Rolle und Funktion die Schulassistenzen übernehmen. Anhand kantonaler Empfehlungen werden die zwei zentralen Handlungsfelder – Unterricht und Schule – mit ihren jeweiligen Tätigkeitsbereichen präzise definiert.

Die multiprofessionelle Kooperation steht im Zentrum des zweiten Teils. Hier werden aufschlussreiche Forschungsergebnisse zu verschiedenen Kooperationsformen zwischen Lehrpersonen und Assistenzen an Schweizer Primarschulen präsentiert. Schliesslich geht es im dritten Teil um die konkrete Unterrichtspraxis. Dabei werden Themen wie kooperative Lernsettings, die gezielte Förderung überfachlicher Kompetenzen sowie die individuelle Lernbegleitung erläutert.

In der Neuauflage kommen zwei Kapitel zu sonderpädagogischen Settings hinzu. In ihnen wird der Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten und die spezifische Begleitung von Schülerinnen und Schülern im Autismus-Spektrum erörtert. Aktuelle Unterrichtsforschung und relevante Studien werden dabei sorgfältig integriert. Die Autorinnen kommunizieren transparent, wo es noch Lücken in der Forschung gibt. So fehlen etwa systematische Daten zum Einsatz von Schulassistenzen in der Schweiz.

Praktische Checklisten für Schulen

Das Handbuch stellt eine gelungene Verbindung von Theorie und Praxis dar. Interviews, praxisnahe Checklisten und anschauliche Fallbeispiele machen die Lektüre abwechslungsreich. Im Buch werden direkt nutzbare Instrumente für Lehrpersonen und Schulleitungen vorgestellt: Praktische Checklisten helfen etwa bei der Strukturierung des Anstellungsprozesses.

Detaillierte Ausführungen zu Anleitung, Monitoring und Feedback stärken die Zusammenarbeit. Die Autorinnen mahnen, dass für eine erfolgreiche Umsetzung vor allem zeitliche Ressourcen für Absprachen und eine klare Rollenklärung entscheidend seien. Als grösste Hürde in der Praxis identifizieren sie die oft fehlende formale Qualifikation der Schulassistenzen. So schärft «Potenzial Schulassistenz» das Verständnis für multiprofessionelle Teamarbeit, sensibilisiert für die Grenzen der Assistenzrolle und unterstützt Lehrpersonen gezielt bei der Entwicklung ihrer Anleitungskompetenzen. 

Autor
Beat A. Schwendimann, pädagogischer Leiter LCH

Datum

19.01.2026