Früher waren Wirtschaft, Arbeit und Haushalt auf mehrere Fächer verteilt. Was hat man mit der Zusammenführung in das Sammelfach WAH gewonnen?
CORINNE SENN: Es ist kein Sammelfach, wie Natur und Technik. Anders als beim Vorgängerfach Hauswirtschaft stehen nicht nur Kompetenzen in der Hausarbeit im Vordergrund. Das Fach thematisiert Schnittstellen zwischen individueller Lebensführung, gesellschaftlicher Verantwortung und globalen Herausforderungen. Wichtig dabei sind etwa nachhaltiger Konsum, Ernährung, Gesundheit, Märkte und Handel sowie Arbeitswelten. Das Fach unterstützt Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg in ein selbstständiges und verantwortungsbewusstes Leben: Sie lernen, ihr Denken und Handeln im Alltag zu reflektieren, zu begründen und die Folgen abzuschätzen. Damit leistet WAH einen Beitrag zur Allgemeinbildung.
«WAH hat seine Wurzeln in der Mädchenbildung. Das wirkt bis heute nach.»
Sie sagen, dass der WAH-Unterricht von vielen unterschätzt wird. Woran liegt das?
Dafür gibt es verschiedene Gründe. Viele wissen nicht, welche Themen das Fach tatsächlich vermittelt, und können deshalb den Nutzen nicht abschätzen. Hinzu kommt die Geschichte: WAH hat seine Wurzeln in der Mädchen- und Frauenbildung und wurde erst 1981 für alle obligatorisch. Fächer mit einem solchen Hintergrund hatten es lange schwer, als gleichwertig anerkannt zu werden – das wirkt bis heute nach. Das zeigt sich auch darin, dass WAH bei Sparmassnahmen oft besonders unter Druck gerät.
