Programme kauft man heute nicht mehr, man mietet sie – und zahlt oft genug mit Daten dafür. Datenschutz und digitale Souveränität sind Dauerbrenner. Dafür sorgen auch Interventionen der US-Regierung, wie zum Beispiel im Mai 2025, als das Mailkonto eines Chefanklägers am internationalen Strafgerichtshof in Den Haag blockiert wurde. Dänemark hat entschieden, auf marktbeherrschende US-Software zu verzichten und stattdessen Open-Source-Alternativen zu nutzen. Auch in der Schweiz wird die digitale Datenhoheit diskutiert.
So hat Privatim, die Vereinigung der schweizerischen Datenschutzbeauftragten, Ende 2025 eine Resolution zu internationalen Cloud-Lösungen verabschiedet. Die Botschaft darin ist klar: Öffentliche Organe – also auch Schulen – müssen bei der Nutzung von US-Diensten wie Microsoft 365, Google oder Amazon äusserst vorsichtig sein. Grund ist der sogenannte Cloud Act. Dieser erlaubt US-Behörden Zugriff auf Daten, selbst wenn diese in der Schweiz gespeichert werden.
Anbieter können Datenschutz umgehen
Dominika Blonski, Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich und Vizepräsidentin von Privatim, erklärt: «Im Falle von Microsoft 365 besteht die Gefahr eines unrechtmässigen Datenzugriffs, da Microsoft die Daten zwar verschlüsselt, aber selbst einen Schlüssel besitzt, der den Zugriff ermöglicht.
Datenschützerin Dominika Blonski empfiehlt, Schweizer Anbieter zu prüfen.
Durch den Cloud Act können US-amerikanische Behörden zudem die Herausgabe dieser Daten verlangen, ohne dass betroffene Schulen oder Eltern informiert werden.» Das bringt Schulen in die Zwickmühle: Sie sollen digitale Lernumgebungen bereitstellen und müssen gleichzeitig die Selbstbestimmung über die eigenen Daten bewahren.
Datenschützerin sieht Handlungsbedarf
Der Grossteil der Schulen nimmt diese Verantwortung ernst, investiert in die Weiterbildung und verschlüsselt sensible Daten. Die konkreten Vorgaben obliegen den Kantonen. Sie informieren in Leitfäden oder Merkblättern über die Anforderungen. Für datenschutzrechtliche Fragen im Schullalltag führt der Kanton Zürich unter datenschutz.ch ein Datenschutzlexikon, das sich an Lehrpersonen, Schulleitungen oder Eltern richtet. Die im Auftrag von Bund und Kantonen arbeitende Fachagentur Educa hält unter educa.ch ein aktuelles Dossier zu Datennutzung und Datenschutz bereit.
Doch für Blonski besteht weiterer Handlungsbedarf. Vor allem bei Software, die nur via Internet als Service gemietet wird. Anstatt Programme auf dem Computer zu installieren, greifen Nutzerinnen und Nutzer mittels Abo darauf zu. «Schulen sollten den Einsatz solcher Software überdenken, da diese oft nicht die erforderliche Verschlüsselung für besonders schützenswerte Personendaten bieten», mahnt sie. Es sei sinnvoll, Alternativen zu amerikanischen Grosskonzernen zu prüfen. Es gebe auch Lösungen von Schweizer Anbietern.
Diese sichtbar zu machen und die Datenhoheit besser in den Griff zu bekommen, ist das Ziel des neu gegründeten Netzwerks SDS (souveräne digitale Schweiz). Initiiert vom Bund, der Stadt Zürich, der Post und der Berner Fachhochschule haben sich hier über 130 Organisationen zusammengeschlossen. Alle vereint die Absicht, lokale Infrastruktur zu fördern und die Abhängigkeit von globalen Monopolen zu reduzieren. Das bedeutet konkret: Auf Dienste zu setzen, die unter Schweizer Recht stehen und den Schutz der Privatsphäre garantieren.
