Ausstellung

Phänomena wandert vielleicht doch nicht durch die Schweiz

Die Neuauflage der Wissenschaftsausstellung Phänomena hat eine harzige Entstehungsgeschichte. Momentan ist sie im zürcherischen Dietikon zu besichtigen. Ob sie danach wie vorgesehen weiterwandert, ist aber ungewiss.

Drei weisse Kuppelzelte stehen auf einem Feld.
Die Neuauflage der Phänomena wurde als Wanderausstellung konzipiert, die ihre Zelte an verschiedenen Orten aufschlagen kann. Fotos: David Biedert

Die futuristisch anmutenden, weissen Kuppeln auf dem Dietiker Niderfeld sind schon von weitem sichtbar. Darin findet die Wissenschaftsausstellung Phänomena statt. 1984 hat die erste Ausgabe der Phänomena über eine Million Besucherinnen und Besucher angelockt. Diesen Erfolg wollten die Macher der Phänomena 2023 im zürcherischen Dietikon wiederholen. Doch es kam anders. Das Spektakel wurde wieder abgesagt, dann verschoben und es gab grosse Wechsel im Organisationsteam. 

Die verspätete Neuauflage fällt nun wesentlich kleiner, in Form einer interaktiven Wanderausstellung, aus. Geplant war, dass sie fünf Jahre lang durch die Schweiz zieht und jedes Jahr ein neues, wissenschaftliches Thema aufgreift. 2026 sollte sie noch in Luzern, Zürich und Biel Halt machen, doch Stand Mai ist unklar, wann die Ausstellung wohin wandern wird. Bereits angekündigte Daten haben die Organisatoren wieder von der Website entfernt. Auf Anfrage heisst es, ob die bewilligten Standorte genutzt würden, sei noch nicht entschieden. Inwiefern dies mit Geldsorgen zusammenhängt, ist unklar. Medien berichteten schon vor der Eröffnung von finanziellen Problemen.

Immerhin: Bis am 21. Juni bleiben die Tore der Ausstellung in Dietikon zumindest noch geöffnet. BILDUNG SCHWEIZ hat einen Blick in die weissen Kuppeln geworfen, die laut den Organisatoren Einblicke in Robotik und der künstlichen Intelligenz (KI) gewähren.

Technologie zum Anfassen

Zu Beginn werden die Besuchenden in eine Kuppel geführt, die einem Planetarium gleicht. Man macht es sich auf Sitzsäcken bequem. Ein siebenminütiger Film zeigt die Digitalisierung der letzten 40 Jahre im Zeitraffer. Bevor es dann in die eigentliche Ausstellung weitergeht, lädt man sich eine App auf das Handy, die über die insgesamt 18 Exponate informiert. 

So zum Beispiel über die Station namens Beyond Sight: Hier setzt man sich eine Art Helm auf, der die Umgebung mit Kameras und Sensoren scannt. Mittels sanfter Vibrationen auf der Stirn finden Besuchende so ihren Weg blind durch den Raum, ohne gegen eine Wand zu laufen oder mit jemandem zusammenzustossen. Wer die Funktionsweise autonomer Fahrzeuge besser verstehen will, dem sei das Exponat Hello Sensors empfohlen. Dieses zeigt, wie Sensoren die Umgebung erfassen – und wie dies Fahrzeugen Orientierung und Steuerung ermöglicht.

Bei der Phänomena sind sowohl Mensch als auch Maschine kreativ. An einer Station können Besuchende Alltagsgegenständen zeichnen und ein KI-Tool erkennt, worum es es sich handelt. Bei einer anderen Installation malt man mit dem Finger Figuren in die Luft, beispielsweise Zacken oder Kreise und der Computer ergänzt die Skizzen zu sich ständig ändernden Kunstwerken. So verwandeln sich Bergketten zu Äpfeln oder in einen Frosch. Eine weitere interessante Station ist Meet the Bees. In der virtuellen Realität erleben Besucherinnen und Besucher wie ein Bienenschwarm funktioniert. Sie können beobachten, wie einzelne Signale das Verhalten eines Schwarms beeinflussen. Die Station verbindet Biologie, Informatik und Systemdenken. Sie zeigt, wie Forschende KI einsetzen, um komplexe Prozesse besser zu verstehen. 

Raum zum Rätseln und Probieren

Wer gerne Rätsel unter Zeitdruck löst, kommt in vier Escape Rooms auf seine Kosten. Die Besuchenden haben pro Raum jeweils zehn Minuten Zeit. Die Escape Rooms greifen Themen auf wie Prompting, also Befehle für Chatbots, oder Gesichtserkennung. Es geht dabei auch um ethische Fragen sowie das Unterscheiden zwischen echten und gefälschten Bildern. Die Escape Rooms eignen sich für junge sowie für ältere Personen. Es ist faszinierend zu erleben, wie rasch junge Menschen durch Ausprobieren weiterkommen und wie ältere ihnen die grösseren Zusammenhänge erklären können. Da zeigt sich, wie altersdiverse Teams gemeinsam am besten Lösungen finden. 

Insgesamt ist die Ausstellung zwar in den gemäss eigener Darstellung weltgrössten aufgeblasenen Zelten untergebracht. Abgesehen davon ist sie jedoch sehr nüchtern gestaltet. Es dominieren Kabel, Bildschirme und andere technische Geräte. Auch diesbezüglich kann die Phänomena nicht mit ihrer Vorgängerin mithalten, die sinnliche Erlebnisse bot. Die neue Ausgabe lebt von der Interaktion mit Maschinen. Damit ist sie immerhin am Puls der Zeit. 

Zur Ausstellung

Die Phänomena ist noch bis am 21. Juni in Dietikon. Weitere Standorte werden online angekündigt. Für Schulklassen ab Zyklus 2  stehen online Unterrichtsmaterialen zur Verfügung. Für Schulen kostet der Eintritt 24 Franken pro Person. Eine App kann zur Vorbereitung genutzt werden. Mehr Informationen: phaenomena.ch

Autor
Susanne Schild, Patricia Dickson

Datum

06.05.2026

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