5 FRAGEN AN

«Nur wer die Natur kennt, kann sich für sie einsetzen»

Oberstufenlehrer Thomas Klaper dreht in seiner Freizeit Filme über Naturthemen. Die Filme kommen auch seiner Klasse zugute.

Porträt des Lehrers Thomas Klaper, der ein Buch in den Händen hält und in einem Klassenzimmer steht.
Thomas Klaper hatte den Wunsch, ein oft übersehenes Naturphänomen sichtbar zu machen und für den Unterricht nutzbar aufzubereiten. Foto:ZVG

Im Frühling wandern die Amphibien. Sie wollen Schülerinnen und Schülern das Thema näherbringen. Weshalb?

THOMAS KLAPER: Vor einigen Jahren bin ich bei einem abendlichen Spaziergang entlang einer Waldstrasse zahlreichen überfahrenen Amphibien begegnet, darunter auch dem stark gefährdeten Feuersalamander. Dieses Erlebnis hat mich nachhaltig beschäftigt, denn rund 80 Prozent der Amphibien stehen auf der Roten Liste. Das Verschwinden von Arten ist oft ein abstraktes Thema, doch wenn man sieht, dass dies direkt vor der eigenen Haustür geschieht, wird es greifbar. Im Unterricht versuche ich deshalb, Begriffe wie Biodiversitätsverlust oder Lebensraumzerschneidung anhand lokaler Beispiele verständlich zu machen. Nur wer die Natur kennt, kann sich überhaupt für sie einsetzen.

«Die Unberechenbarkeit machte das Projekt spannend und authentisch.»

Sie haben einen Dokumentarfilm über Amphibien gedreht. Wie kam es dazu?

Neben meiner Tätigkeit als Lehrperson arbeite ich auch als Fotograf und Filmemacher. Aus der Verbindung von Naturinteresse und medialer Gestaltung entstand die Idee, die Amphibienwanderung filmisch zu begleiten. Gemeinsam mit den Filmemachern Jonas Steiner und Roman Willi realisierte ich das Projekt «Risky Routes». Was zunächst einfach schien – die häufige Erdkröte zu filmen – entpuppte sich als anspruchsvoller als gedacht. Amphibien folgen keinem Drehbuch. So stellten nicht nur die kalten und nassen Nächte eine Herausforderung für die Technik dar, sondern auch das Filmen am Boden, oft liegend oder kniend. In Erinnerung geblieben ist mir ein Moment, in dem zunächst alles zusammenzupassen schien: Die Kamera war bereit, das Licht eingeschaltet, ein Auto näherte sich, aber die Kröte lief einfach in die falsche Richtung. Das geschah leider nicht nur einmal. Gerade diese Unberechenbarkeit machte das Projekt jedoch spannend und authentisch.

Zur Person

Thomas Klaper unterrichtet als Klassenlehrperson ​auf Sekundarstufe in Wangen bei Olten. Er ist Co-Produzent des Kurzfilms «Risky Routes».

Unterrichtsmaterialien, inklusive Film, selbst herzustellen, ist zeitintensiv. Lohnt sich der Aufwand?

Der Aufwand war beträchtlich und vor allem ideell motiviert. Im Zentrum stand der Wunsch, ein oft übersehenes Naturphänomen sichtbar zu machen und für den Unterricht nutzbar aufzubereiten. Der Film ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, die riskante Reise der Tiere aus einer ungewohnten Perspektive mitzuerleben. Dass das Projekt später an internationalen Festivals ausgezeichnet wurde, war eine unerwartete Bestätigung. Besonders freut mich jedoch, dass die Unterrichtsmaterialien in Form zweier Dossiers differenziert für Zyklus 2 und 3 kostenlos zur Verfügung stehen und diese bereits genutzt werden.

Gehen Sie mit Ihrer Klasse auch raus in die Natur? Was nehmen die Kinder dabei mit?

Ja, ausserschulische Lernorte sind für mich ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts. Ob am Gewässer, im Wald oder an anderen thematisch passenden Orten, das Lernen mit allen Sinnen vertieft Inhalte nachhaltig. Schülerinnen und Schüler erleben Zusammenhänge unmittelbar, entwickeln Empathie und stellen Fragen, die im Klassenzimmer oft nicht entstehen. Solche Eindrücke bleiben besonders lange in Erinnerung.

Worüber drehen Sie Ihren nächsten Lernfilm?

Zurzeit ist kein Lernfilm geplant. Spannend finde ich die verborgenen Lebensräume unter der Wasseroberfläche, in denen Fische und andere Wasserbewohner unbemerkt wandern. Ich könnte mir gut vorstellen, meinen nächsten Lernfilm diesem Themengebiet zu widmen. Neue Ideen entstehen bei Reisen, in Gesprächen mit Menschen oder durch die Schülerinnen und Schüler selbst. Oft kommen sie in der Pause vorbei, um mir von ihren Beobachtungen zu erzählen: «Herr Klaper, bei uns im Garten haben wir Erdkröten und Feuersalamander entdeckt!» Solche Momente zeigen mir, wie sehr Naturbeobachtungen begeistern und motivieren. 

Autor
(red)

Datum

13.05.2026