Kindersachbuch über Pionierinnen

So wird Forschung greifbar

Ein Kindersachbuch über Forscherinnen aus allen Epochen animiert mit einfachen Experimenten dazu, diese selbst auszuprobieren.

Eine junge Frau schaut in ein Mikroskop.
Traumberuf Forscherin? Das Kindersachbuch «Geniale Frauen, geniale Forschung» inspiriert mit zahlreichen Beispielen. Foto: iStock/AzmanL

Mary Anning wächst in bitterarmen Verhältnissen an der Südwestküste Englands auf. Ihre Familie sammelt Fossilien, die sie am Strand und zwischen den felsigen Klippen findet. Sie verkaufen sie an Touristinnen und Touristen, um sich über Wasser zu halten. Eines Tages, mit nur 12 Jahren, gelingt Anning ein unglaublicher Fund – das Skelett eines Fischsauriers. 

Was ihr in einer anderen Zeit zum Durchbruch verholfen hätte, sollte ihr im 19. Jahrhundert jedoch nicht die Anerkennung bringen, die sie verdiente. So wie Mary Anning erging es vielen forschenden Frauen: In der Sammelbiografie «Geniale Frauen, geniale Forschung» überlässt die Autorin Frances Durkin ihnen die Bühne.

Leicht lesbar, gut erklärt

Zwanzig Kurzporträts rücken Frauen aus den verschiedensten Epochen ins Zentrum, die im Lauf ihres Lebens bedeutende Forschung betrieben haben: Von der Parfümherstellerin im alten Mesopotamien bis hin zur kenianischen Physikerin, die mit ihrer Arbeit das zeitgenössische Bauwesen revolutioniert. Mit kurzen Textblöcken zur Person, ihrer Motivation und ihrer Erfindung oder Entdeckung portioniert die Autorin den Informationsgehalt geschickt in leicht lesbare Häppchen. 

Somit eignet sich das Buch für Kinder ab acht Jahren. Komplexe Themen wie Kernspaltung oder astronomische Phänomene sind leicht verständlich erklärt. Fakten und Zahlen aus der Welt der Wissenschaft ergänzen die Entdeckungen der porträtierten Frauen und helfen der Leserschaft, die Tragweite ihrer Forschung für die Gesellschaft zu erfassen.

In der Gruppe kreativ werden

Eigentliches Highlight des Sammelbandes sind nebst den inspirierenden Persönlichkeiten aber vor allem die Experimente, welche die Leserinnen und Leser zu kleinen Entdeckerinnen und Forschern machen. So können sie – in Anlehnung an Mary Anning – eigene Fossilien nachbilden oder mit etwas Fingerspitzengefühl aus Spaghetti und Marshmallows eine tragende Brücke bauen. 

Jedes Experiment lädt den Forschungsnachwuchs dazu ein, den eigenen Versuch weiterzudenken und, zum Beispiel unter Verwendung anderer Materialien, zu optimieren. Ebenfalls positiv: Das Buch ruft dazu auf, die Experimente zusätzlich mit Freunden oder Schulkolleginnen durchzuführen und so durch die Arbeit in der Gruppe zu alternativen Ansätzen zu finden. So, wie es in der Forschung eben auch funktioniert: Das ständige Evaluieren und Überprüfen der eigenen Ergebnisse ist es, was sie weiterbringt.

Das Grafische dominiert

Der Sammelband punktet mit seinen schönen Illustrationen der Künstlerin Nur Ventura und übersichtlichen Grafiken. Dabei gehen die Protagonistinnen jedoch fast etwas unter: Möglichst realitätsnahe Porträts würden zur Wiedererkennung beitragen und helfen, diese wichtigen Persönlichkeiten besser zu memorisieren. 

Weiterführende Literatur zu den Themen und Personen nennt die Autorin zwar keine, hätte jedoch besonders wissbegierigen Kindern sicher einen Mehrwert geboten. Alles in allem bietet dieser Band eine ästhetische, inhaltlich inspirierende und auch für Erwachsene kurzweilige Lektüre über Forschung und Wissenschaft.

Autor
Mirja Keller

Datum

13.04.2026