In Basel beginnt der Unterricht frühestens um acht Uhr. Das ist bereits seit zehn Jahren so. Andere ziehen nach: Ein Berner Schulhaus kann seinen Schulversuch zur definitiven Lösung machen, wurde kürzlich bekannt. In der Gemeinde Kriens im Kanton Luzern wurde die Frühstunde im letzten Sommer nach einer Probephase ebenfalls definitiv abgeschafft.
In der Stadt Zürich hat dies das Parlament im Herbst 2025 gegen den Willen von Regierung und Schulbehörden beschlossen. Spätestens in vier Jahren dürfen darum auch in der Stadt Zürich Oberstufenschülerinnen und -schüler eine halbe Stunde länger schlafen.
Organisatorische Probleme ohne Frühstunde
Doch die Behörden tun sich schwer: Sie klagen über organisatorische Probleme. Stundenpläne zu machen, werde noch schwieriger. Knapp werde es vor allem bei Sportanlagen und Spezialräumen. Zudem, darauf weist die Stadt Zürich im Nachrichtenportal «bluenews.ch» hin, habe ein späterer Schulschluss Auswirkungen auf die Freizeit: «Ein späteres Unterrichtsende schränkt die Zeit für Erholung, Freizeit und Sport deutlich ein.»
Befürwortende der Frühstunde argumentierten auch, dass dies zu einer kürzeren Mittagspause führen werde. Schülerinnen und Schüler hätten darum kaum mehr Zeit, mittags zu Hause zu essen.
Die erste Stunde mit zu wenig Schlaf dösend zu verbringen, kann Folgen haben.
Demgegenüber stehen wissenschaftliche Studien, die zum Schluss kommen, dass Jugendliche mehr Schlaf brauchen. Sie hätten morgens entwicklungsbedingt Mühe, wach zu werden, abends hingegen, runterzufahren. So häuften etliche unter ihnen ein Schlafmanko an. Die erste Stunde mit zu wenig Schlaf dösend zu verbringen, kann Folgen haben: Das könne die schulischen Leistungen beeinträchtigen. Soweit die Befunde der Wissenschaft.
Umsetzung braucht Zeit
Immer mehr Schulen sehen sich mit Forderungen wie in Zürich konfrontiert. Dass die Mühen der Schulbehörden nicht herbeigeredet sind, zeigen Bemerkungen aus der Stadt Bern. Der Schulleiter, der nun in seinem Schulhaus den Versuch definitiv umsetzen kann, betonte in Medienberichten, bis alles im Lot sei, brauche es Zeit. Man sei bereits seit acht Jahren dran. Eine Folge der Umstellung ist beispielsweise, dass es nun keine kleinen Pausen mehr gibt, dafür aber eine längere grosse. Der Kanton Bern ist gegenwärtig daran, die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen, damit auch andere Schulen auf die Frühstunde verzichten können. Dies ist aber frühestens ab 2027 möglich.
Mit der Pubertät verschiebt sich der Schlafrhythmus.
Im Kanton Basel-Stadt, dessen Oberstufenschülerinnen und -schüler seit dem Sommer 2015 statt um 7.40 Uhr erst um 8 Uhr zur Schule gehen müssen, ging der Verschiebung des Unterrichtsbeginns wie in der Stadt Zürich ein politischer Vorstoss voran. Begründet wurde die Forderung damals mit einer Studie der Universität Basel, in deren Rahmen 2700 Basler Schülerinnen und Schüler zu ihrem Schlafverhalten befragt worden sind.
Die Studie war damals die erste ihrer Art in Europa. Beschrieben wurde darin zum Beispiel, dass kleinere Kinder eher früh aufstehen. Mit der Pubertät verschiebe sich aber der Schlafrhythmus nach hinten: Jugendliche schlafen später ein, benötigen aber immer noch mehr Schlaf als Erwachsene, nämlich 8,5 bis 9,25 Stunden.
