Nach Randale im Fussballstadion

Als Hooligan verurteilter Lehrer behält seine Stelle

Ein Lehrer, der in England einen Polizisten angegriffen hatte und deshalb im Gefängnis sass, darf seine Stelle im Kanton Bern behalten. Er habe eine zweite Chance verdient, argumentieren die Verantwortlichen.

Fussballstadion von Birmingham
Ort des Geschehens: Das Villa-Park-Stadion in Birmingham. Foto: iStock/Chris Hepburn

Nach einem Auswärtsspiel des BSC Young Boys gegen Aston Villa kam es im November im Stadion zu Ausschreitungen. Einer der beteiligten Fans war ein Lehrer aus Fraubrunnen (BE). Er griff in Birmingham einen Polizisten an, wurde verhaftet, gestand die Tat und erhielt eine Busse von 200 Pfund und eine Gefängnisstrafe von acht Wochen. Nun ist der Lehrer zurück in der Schweiz und es ist auch klar, wie es mit ihm weitergehen wird: Er darf seine Stelle an der Schule Fraubrunnen behalten, wie aus einer am Freitag, 20. Februar, versandten Medienmitteilung der Gemeinde hervorgeht.

Lehrer zeigt sich einsichtig

Kurz nach der Rückkehr des Lehrers in die Schweiz habe die Schulleitung und der für Bildung zuständige Gemeinderat mit dem Lehrer ein Gespräch führen können. Gestützt auf dieses Gespräch und auf eine Prüfung von straf- und arbeitsrechtlichen Aspekten habe man entschieden, das Arbeitsverhältnis weiterzuführen. Der betroffene Lehrer verfüge über einen tadellosen Leistungsausweis und habe im persönlichen Gespräch Bereitschaft zur Verantwortung und Reflexion gezeigt. Mögliche Risiken seien ebenfalls geprüft worden, denn der Schutz der Schülerinnen und Schüler bleibe jederzeit oberstes Prinzip, heisst es in der Mitteilung weiter. Gleichzeitig müsse die Schule als Arbeitgeberin auch rechtsstaatlich, verhältnismässig und fair handeln, wird betont. «Strafrechtliche Beurteilungen und arbeitsrechtliche Konsequenzen sind nicht automatisch deckungsgleich, sondern müssen differenziert betrachtet werden.»

Co-Schulleiterin Noemi Rauser hält zudem in der Mitteilung fest, dass sich der Entscheid auch an der Haltung orientiere, die an der Schule Fraubrunnen gelebt werde: «Menschen machen Fehler. Entscheidend ist, Verantwortung dafür zu übernehmen und sich um Wiedergutmachung zu bemühen. Wir möchten damit auch den Lernenden aufzeigen, dass Fehler – selbst schwere –nicht ein ganzes Leben bestimmen müssen.»

Kinder und Eltern setzten sich für Lehrer ein

Auch der Schulvorsteher der Gemeinde, Simon Glauser (SVP), betont, dass der Lehrer mit seinem unüberlegten Verhalten einen gravierenden Fehler gemacht habe. Dennoch solle er eine zweite Chance erhalten. Der Entscheid basiere auf einer sorgfältigen, fundierten und nicht zuletzt menschlichen Prüfung. «Entscheide dieser Tragweite dürfen nicht unter öffentlichem Druck gefällt werden, sondern müssen verantwortungsvoll und im Interesse der Institution getroffen werden», so Glauser.

Die Schülerinnen und Schüler dürfte es freuen. Bereits am Montag nach dem Spiel Ende November haben sich diese geschlossen für die Rückkehr ihres Lehrers ausgesprochen. Sie starteten mit Eltern zusammen eine Petition, die dem Berner Regierungsrat mit 1300 Unterschriften überreicht wurde. Der Lehrer habe mit Hingabe, Fachkompetenz und Empathie die Entwicklung der Kinder auf herausragende Weise unterstützt, heisst es darin. Ende Januar äusserte sich der Regierungsrat sie dazu. Er schrieb, zuständig für dieses Anliegen sei die Anstellungsbehörde – also der Schule Fraubrunnen.

Autor
Alex Rudolf

Datum

20.02.2026