Mont Vully

Ein Kletterparadies ob dem Murtensee

Der Mont Vully ist nur 650 Meter hoch. Doch wegen seiner exponierten Lage bietet er eine tolle Aussicht: Auf einer Seite liegt der Murtensee, auf der anderen der Neuenburgersee. Das eigentliche Highlight sind aber seine Grotten – ein Paradies für Kinder.

Kinder können die Grotte stehend oder kriechend entdecken. Sie sollten aber schon älter sein, um Gefahren besser einzuschätzen. Foto: Susanne Schild

Die Grotten des Mont Vully im Kanton Fribourg werden auch Lamberta-Höhlen oder Grottes des Roches Grises genannt. Sie sind keine natürlichen Höhlen. Während des ersten Weltkriegs liess das Militär die rund 200 Meter langen Gänge, Mannschaftsräume und Schiessscharten von Hand in den weichen Sandstein graben.

Eine Schulreise nach Mont Vully kann am Bahnhof Murten (FR) beginnen. Hier kann man die alten und herzigen Häuser der Altstadt bewundern und zur Ringmauer hochsteigen, dort entlanggehen und den Blick auf die Stadt geniessen. Auf direktem Weg gelangt man vom Bahnhof in etwa 15 Minuten hinunter zum Hafen. Falls man noch aufs Schiff warten muss, wird einem nicht langweilig, denn die Anlegestelle liegt unmittelbar bei einem Spielplatz.

Idealer Ort zum Verweilen

Die Schifffahrt von Murten nach Praz dauert etwa 15 Minuten. Auch an der Anlegestelle befindet sich ein Spielplatz sowie Toiletten und eine Gartenbeiz. Der Weg hinauf zur Grotte verläuft durch die Rebberge mit einem schönen Blick auf den See. Dann geht es durch den Wald und nach einem kurzen steilen Abschnitt ist nach rund 30 Minuten das Zwischenziel erreicht. Die Grotten sind Teil des historischen Pfades am Mont Vully: Schautafeln informieren über die Überbleibsel aus dem Ersten Weltkrieg.

Damals, vor über hundert Jahren, hatte man vom Berg noch einen freien Blick auf den Murtensee und die dahinterliegenden Freiburger Voralpen. Zwischenzeitlich ist hier ein lichter Wald gewachsen, was an heissen Sommertagen sehr angenehm ist. Unterhalb des Felsens gibt es mehrere Picknicktische und Grillplätze. Ein idealer Ort zum Verweilen.

Die Besucherinnen und Besucher können die dunklen Gänge aufrecht oder auf allen Vieren erkunden. Dabei entdecken sie ständig neue Ein- und Ausgänge des Höhlensystems. Immer wieder tauchen Kinder aus irgendwelchen Löchern im Fels auf. Sie erkunden auch die Pfade rundherum und bewegen sich im steilen und sandigen Gelände leichtfüssig. Dabei dienen frei liegende und blank gescheuerte Wurzeln als Griffe und Tritte. An steilen Stellen im Fels rutschen die Kinder jauchzend auf dem Hosenboden hinunter.

Die Kinder scheinen wenig Angst zu haben, wenn sie die dunklen Gänge mit der Taschenlampe erkunden oder auf einen Felsabsatz hochklettern. Nein, es sind die Eltern, die ihre Kinder zurückhalten. Wiederholt beobachtet man, wie ein Vater oder eine Mutter den Sprössling mahnt, vorsichtiger zu sein, damit er nicht irgendwo abstürzt. Im nächsten Moment hört man einen Buben rufen: «Komm hier hoch, Papa, das schaffst du auch.»

Vom Réduit zur Keltenfestung

Die Gänge sowie das Gelände oberhalb der Höhlen können nicht vollständig überblickt werden. Das heisst, die Kinder müssen selbstständig die Gefahren des teilweise abschüssigen Geländes einschätzen können. Kindern ab elf Jahren, die das auf Spielplätzen oder beim Klettern auf Bäume geübt haben, kann dies zugetraut werden. Auch jüngere Kinder können auf dem Mont Vully Spass haben, brauchen aber mehr Aufsicht. Diese ist in kleinen Gruppen auf einem Familienausflug einfacher zu gewährleisten.

Nützliche Informationen

Für die Wanderung sollte man rund 2,5 Stunden reine Gehzeit einplanen. Alternativ dazu kann man sich an der Wegführung des historischen Pfads orientieren. Diese Route verläuft ganz ähnlich, umfasst aber noch Abstecher zum Agassiz-Stein, einem Gletscherfindling, und zu den Ruinen des Sarrasin-Turms. Der historische Pfad ist mit 3,5 Stunden Gehzeit etwas länger. Empfehlenswert ist es, den Ausflug mit einem Besuch von Murten zu verbinden und mit einer Schifffahrt nach Praz. Mit der SBB-Schultageskarte kostet die Anreise für Schulklassen nur 15 Franken pro Person. Mehr Informationen: www.j3l.ch

Nach den Höhlen geht es weiter den Berg hinauf. Der historische Pfad führt zu einem Réduit. Um dorthin zu gelangen, hat man nochmals rund 35 Minuten Wegstrecke vor sich. Zunächst geht es steil im Wald hoch bis zum Restaurant Le-Mont-Vully, dann durch offenes Gelände und ein Waldstück mit engen, verschlungenen Pfaden, vorbei an einem Picknickplatz mit grosser Spielwiese. Das Réduit du Vully, ein ehemaliger Infanterie-Stützpunkt, besteht aus Schützengräben und unterirdischen Schutzräumen. Es ist ebenfalls ein Ort, der sich für eine Pause bestens eignet und wo es für Kinder viel zu entdecken gibt.

Kurz vor dem Gipfel gelangt man zum Nachbau eines keltischen Oppidums.

Wer Zeit hat, sollte noch den Gipfel des Mont Vully ansteuern. Dafür sollte man nochmals rund 35 Minuten einplanen. Der Weg verläuft Richtung Osten auf den geraden Wegen und Asphaltstrassen zwischen den Feldern. Daher ist er weniger kurzweilig und im Sommer vielleicht zu heiss, dafür kann man den Blick in die Weite geniessen. Kurz vor dem Gipfel des Mont Vully gelangt man zum Nachbau eines keltischen Oppidums. Dieses ist Teil eines 600 Meter langen Befestigungswalls und wurde ungefähr 124 vor Christus von den keltischen Helvetiern erbaut. Für die Landesausstellung 2002 wurde das Oppidum originalgetreu nachgebaut.

Der Gipfel des Mont Vully lädt nochmals zum Verweilen ein. Nun geht es nur noch bergab. Im Wald und entlang der Rebberge gelangt man in knapp 45 Minuten zurück nach Praz. Von dort kann man wieder das Schiff nach Murten nehmen oder das Postauto nach Sugiez und von dort die Bahn nach Murten. 

Autor
Susanne Schild

Datum

23.03.2026

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