Umgang mit sozialen Medien

«Digitales Wissen ist so wichtig wie Lesen und Schreiben»

Jan Löning kreiert Inhalte für die sozialen Medien. Dabei entdeckte er, dass sich Social Media negativ auf das Wohlbefinden auswirken kann. Nun will er Jugendliche dabei helfen, einen gesunden Umgang damit zu entwickeln.

Junger Mann mit dunkelblondem Haar.
Jan Löning weiss, welchen Einfluss social Media auf das Wohlbefinden haben kann. Foto: ZVG

Soziale Medien haben Suchtpotenzial. Sie haben das selbst erlebt. Wie fühlte sich das an?

Jan Löning: Ich habe an mir selbst beobachtet, wie stark Social Media unser Verhalten steuert und wie es mir irgendwann mehr nahm, als es mir gab. Je länger ich online war, desto leerer fühlte sich das echte Leben an. Likes und Vergleiche schwächten mein Selbstwertgefühl, und das ständige Scrollen hinterliess eher Leere als Inspiration. Um diesen Mechanismus zu durchbrechen, habe ich mich intensiv mit den Strukturen hinter den Plattformen beschäftigt: mit Algorithmen, psychologischen Triggern und Suchtmechanismen. Dieses Verständnis war der Schlüssel, um mir eigene Strategien zu erarbeiten und meinen digitalen Konsum wieder zu kontrollieren.

Heute sagen Sie, der digitale Durchblick sei so wichtig wie Lesen und Schreiben. Wie meinen Sie das konkret?

Wir leben in einer Welt, in der Jugendliche täglich Stunden am Handy verbringen, doch kaum jemand erklärt ihnen, wie Social Media wirklich funktioniert. Wer nicht versteht, wie es unser Verhalten beeinflusst, läuft Gefahr, süchtig zu werden oder psychisch darunter zu leiden. Digitales Wissen ist daher genauso wichtig wie Lesen und Schreiben. Es geht um Aufklärung, Prävention und Selbstreflexion. Wer versteht, wie Social Media funktioniert und welche Wirkung es auf uns hat, kann sich besser schützen und gesünder damit leben.

Zur Person

Jan Löning kreiert bei «20 Minuten» Inhalte für Social Media. Zuvor arbeitete er als Flugbegleiter. Neu bietet er Workshops für Schulen an, um Jugendliche auf die Gefahren der sozialen Medien hinzuweisen und sie zu einem gesunden Umgang damit zu motivieren.

Sie vermitteln Kindern und Jugendlichen an Schulen Ihre Strategien für einen gesunden Umgang mit Sozialen Medien. Worauf legen Sie dabei Wert?

Jugendliche nur zu warnen oder ihnen Social Media schlechtzureden, bringt nichts. Sie brauchen keine Verbote, sondern Werkzeuge, um selbstbestimmt und reflektiert zu handeln. Mein Workshop ist praxis- und lebensnah sowie interaktiv. Ich komme nicht als Belehrender, sondern mit Erfahrung aus der digitalen Welt, spreche ihre Sprache und arbeite mit echten Inhalten.

«Eltern sollten nicht nur Grenzen setzen, sondern Interesse zeigen.»

Aus meiner eigenen Erfahrung weiss ich, wie Social Media das Denken und Fühlen verändert. Diese Erkenntnis fliesst in jede Übung ein und macht die Themen greifbar.

Eltern und Schule sind oft überfordert mit dem Thema. Was sollten Eltern ihren Kindern beibringen und was ist Aufgabe der Schule?

Eltern sollten nicht nur Grenzen setzen, sondern echtes Interesse zeigen. Viele wissen gar nicht, was ihre Kinder online erleben. Offenheit entsteht, wenn man zuhört, Fragen stellt und gemeinsam Inhalte anschaut. Wichtig sind auch klare Regeln, etwa Handyzeiten oder Jugendschutzeinstellungen. Die Schule wiederum soll Orientierung geben und vermitteln, wie soziale Netzwerke funktionieren und welche Wirkung sie haben. So lernen Jugendliche, reflektiert und selbstbestimmt damit umzugehen.

Befürworten Sie ein Handy- und Social-Media-Verbot an Schulen?

Ich bin hin- und hergerissen. Verbote allein bringen wenig, weil sie die zugrunde liegenden Probleme nicht lösen. Gleichzeitig erinnere ich mich, wie wohltuend es war, als Handys in meiner Schulzeit noch keine Rolle spielten. Man war präsenter, hat sich mehr bewegt, mehr gelacht. Vielleicht sollte die Frage nicht heissen, ob es ein Verbot braucht, sondern wie man Jugendliche motiviert, freiwillig offline zu sein.

Autor
(red)

Datum

29.01.2026

Themen