Sie sind Autistin. Die Diagnose haben Sie erst spät erhalten. Wie kam es dazu?
REGINE FANKHAUSER: Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, als Autismus noch vorwiegend als männliches Phänomen galt. Zwar fiel meinem Umfeld auf, dass ich kaum Blickkontakt herstellte, mich lieber mit Tieren als mit Menschen befasste, auf gewisse Sinnesreize anders als andere reagierte und Aussagen meist wörtlich verstand. Doch weder Lehrpersonen noch medizinische Fachpersonen vermuteten, dass ich autistisch sein könnte. Ich war schon immer sehr wissbegierig, ging gerne zur Schule, studierte Biologie und bilde mich auch heute laufend weiter. Beruflich lief es jedoch alles andere als geradlinig, und ich habe mehrere Stellen auf unschöne Art und Weise verloren. Eine solche Krise führte vor ein paar Jahren dazu, dass ich mich auf Autismus abklären liess. Die Diagnose war für mich eine grosse Erleichterung. Viele Puzzleteile meines Lebens haben plötzlich den richtigen Ort gefunden.
Nun bieten Sie Mediation bei Konflikten an, in die autistische und neurotypische Menschen involviert sind. Wie unterscheiden sich solche Konflikte von anderen?
Neurotypische und autistische Menschen unterscheiden sich unter anderem in Kommunikation, Sozialverhalten, Wahrnehmung und Reizverarbeitung. Neuere Forschung zeigt, dass autistische und neurotypische Menschen Schwierigkeiten in der Kommunikation miteinander haben. Auch fällt es ihnen oft schwer, die Perspektive des jeweils anderen einzunehmen.
