Lebensraum Schule

Der verwöhnte Nachwuchs gehört erzogen

Die Schule war schon immer ein Lebensraum, wo Recht und Ordnung unterschiedlich ausgelegt – und die Geduld der Erwachsenen auf die Probe gestellt wurde.

Ein vergilbtes Foto zeigt drei Kinder die auf einem Feldweg davonrennen.
Frech waren Kinder schon immer. Foto: iStock/vesmil (bearbeitet, pdi)

Schule macht das Kind bereit für die Gesellschaft. Das ist nicht immer einfach und war es auch vor 100 Jahren nicht. Dies zeigt ein Blick in die «Schweizerische Lehrerzeitschrift», die Vorgängerin von BILDUNG SCHWEIZ. Der Unfug, den Schülerinnen und Schüler trieben, beschäftigte im Januar 1924 den Autor, von dem man nur weiss, dass er Huber hiess und in Wattwil wohnte: «Wie kommt die Jugend zu ihrer Missachtung der Autorität der Erwachsenen und zur Übertretung von alteingelebten Bräuchen?», fragte er rhetorisch und reichte die Antwort gleich nach: «Das kleinste Kind wird im Elternhaus meist arg verwöhnt», kritisierte er. «Im Winter genügen Schlitten und Schlittschuhe schon nicht mehr, Ski sind jetzt Mode.» Dermassen verhätschelte Kinder würden sich über den Erwachsenen wähnen. 

Die Pflege edler Regungen

Überhaupt hätten Eltern zu wenig Zeit für ihre Kinder seit «auch die Mutter ins ‹Geschäft› geht». Er bezweifelt, dass so eine «gut geartete Jugend heranwachsen» könne. Auch die Schule kriegte ihr Fett ab: Huber war kein Freund des spielenden Lernens in unteren Klassen. Das zwinge Lehrer der oberen Stufen, ebenfalls nur leicht verdauliche Kost zu bieten. «Man schmückt alles aus, verzuckert, malt aus, übertreibt, um ja recht angenehm zu werden», wetterte er. Da fehle die Anstrengung. Erziehung ist nicht einfach, da hatte Huber nicht Unrecht. Oder in seinen Worten: «Die Pflege aller edlen Regungen und Vertreibung alles Unedlen und Niedrigen müsste den Menschen als Losung voranleuchten. Eine schwere Aufgabe!» 

Autor
Patricia Dickson

Datum

18.05.2026

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