Ausstellung im Kindermuseum Baden

Ausflug ins Weltall

Die Ausstellung «Rakete, Mond und Sterne» im Kindermuseum in Baden bringt Kindern das Universum näher. Zusammen mit der interessanten Stadt und den nahen Wäldern eignet sich dieser Ausflug gut als Schulreise.

Die Kinder lassen selbstgebaute, mit Wasserdruck angetriebene Raketen steigen. Fotos: Jacqueline Schreier

Was sind Galaxien? Wie misst man Lichtgeschwindigkeit? Gibt es ausserirdisches Leben? Und was bedeutet eigentlich Unendlichkeit? Das Universum ist komplex, abstrakt und kaum fassbar – und gerade deshalb so faszinierend. Der Blick in den Himmel wirft grosse Fragen auf, mit deren Beantwortung sich selbst Erwachsene oder die Wissenschaft schwertun. Kein Wunder also, dass sie auch bei Kindern Neugier wecken.

Die Ausstellung «Rakete, Mond und Sterne» im Schweizer Kindermuseum in Baden (AG) macht das scheinbar Unbegreifliche greifbar und nähert sich dem Thema Universum auf verständliche und spielerische Weise. Ursprünglich als Sonderausstellung für zwei Jahre geplant, erfreute sie sich so grosser Beliebtheit, dass sie nun dauerhaft zu sehen ist und laufend erweitert wird. Sie eignet sich insbesondere auch für Schulklassen, da sie verschiedene Themen des Lehrplans aufgreift.

Von der Decke hängen Modellflugzeuge und eine Rakete.

Heute besucht die vierte Klasse aus Aadorf (TG) die Ausstellung. Kaum da, wollen die ersten Kinder schon losstürmen. Denn bereits der Eingangsbereich lädt zum Entdecken ein. Verschiedene alte und neuere Spielsachen sind ausgestellt. Sie sind ein Vorgeschmack auf die Ausstellung «Die Welt des Kindes entdecken» und die Sonderausstellung zum Thema Playmobil. Von der Decke hängen Modellflugzeuge und eine Rakete. Am meisten interessiert aber eine Astronautenfigur aus Karton mit ausgeschnittenem Gesicht. Hier können die Kinder ihre Köpfe durchstecken und selbst wie ein Astronaut oder eine Astronautin aussehen.

Die Schulklasse hat eine Führung gebucht. Karin Kast, die durch die Ausstellung führt, versammelt die Klasse und erzählt zunächst etwas über das Haus, in welchem sich das Kindermuseum befindet, und über die Familie, die es einst bewohnt hat. In dem knapp 130 Jahre alten Haus haben Fritz Funk, der Leiter des Unternehmens Brown, Boveri & Cie. (heute ABB), und seine Familie gelebt. Man erfährt auch etwas über die damalige Zeit und Lebensweise. Im Dachgeschoss, wo früher die Bediensteten wohnten, ist heute die Ausstellung «Rakete, Mond und Sterne» untergebracht. 

Doch bevor es dorthin geht, besammelt sich die Klasse im Foyer. Kast fragt die Schülerinnen und Schüler, was sie bereits über die Planeten und das Weltall wissen. Mehrere Hände schiessen sofort in die Luft. Alle wollen zeigen, was sie gelernt haben – von den Namen der Planeten bis hin zu Einzelheiten ihrer Eigenschaften. Sogar die sechs Sphären der Sonne werden korrekt aufgezählt. Die äusserste heisst Korona und bleibt bei einer Sonnenfinsternis sichtbar.

Das erste Mal zum Mond

Nach dieser kurzen Einstiegsrunde und Wissensabfrage leitet Kast ins erste Thema der Führung über: die erste Mondlandung. Eingeleitet wird sie mit einem Ausschnitt aus der Tagesschau vom 20. Juli 1969. Kast hält den Film immer wieder an und erklärt, was die Bilder zeigen. Anhand einer massstabgetreu nachgebauten Modellrakete illustriert sie, wie der Flug ins All funktionierte. Sie führt vor, wie Teile der Rakete nach jeder Zündung abgestossen wurden und entweder im Meer landeten oder als Weltraumschrott seither endlos im All kreisen. 

Die Mondlandefähre brachte die Astronauten auf die Mondoberfläche. Auf die Erde kehrte bloss die Kapsel zurück. Besonders fasziniert die Kinder die Arbeit von Astronautinnen und Astronauten und das Leben an Bord einer Rakete. Verschiedene Videoclips zeigen, wie sie in der Schwerelosigkeit Sport treiben, wie sie ihre zu Berge stehenden Haare waschen oder wie sie angeschnallt im Schlafsack schlafen.

Eine Waage zeigt, wie viel man auf dem Mond wiegen würde.

Der erste Raum der Ausstellung zeigt verschiedene Dinge aus dem Alltag an Bord. Beim Eintreten begrüsst Claude Nicollier, der erste Schweizer Astronaut, in einer Videobotschaft die Besucherinnen und Besucher. Der zweite Schweizer im All wird Marco Sieber. Er schloss seine Astronautenausbildung im April 2024 ab. Auch er war bereits im Kindermuseum zu Gast. In einem ausführlichen Interview beantwortet Sieber viele Fragen zum Leben eines Astronauten.

Im nächsten Raum warten diverse interaktive Stationen, die Kinder jeden Alters bedienen können. Neben informativen Frage-Antwort-Tafeln ist auch ein Originalstück einer Rakete ausgestellt. Experimente machen Abstraktes fassbarer. So zeigt etwa eine Waage an, wie schwer man auf dem Mond sein würde und unterschiedlich schwere Milchflaschen verdeutlichen, wie viel diese auf den jeweiligen Planeten wiegen würden.

Highlight zum Schluss

Ein besonderes Highlight ist der virtuelle Spaziergang durch den Weltraum. Möglich machts Virtual Reality (VR). Ist die VR-Brille erst einmal aufgesetzt, lassen sich die Planeten aus nächster Nähe betrachten. Man kann von einem Planeten zum nächsten reisen und diese sogar mit den Händen anstossen und drehen. Diese Anwendung wurde von zwei Studierenden der Fachhochschule Nordwestschweiz eigens für das Kindermuseum entwickelt. 

Ungeduldig warten die Kinder, bis sie an der Reihe sind. Dabei amüsieren sie sich über ihre Klassenkameradinnen und -kameraden, die von jenen ohne Brille aus gesehen etwas unbeholfen im Raum herumtapsen und mit den Händen ins Leere fassen. Zeitgleich bastelt der Rest der Klasse an einer eigenen Rakete, die zum Abschluss der Führung im Garten des Museums gestartet wird. Wessen Rakete fliegt wohl am höchsten?

Heisse Brunnen und eine alte Burg

Um den Ausflug ins Kindermuseum zu einer Schulreise auszubauen, bieten sich in der Stadt Baden weitere Möglichkeiten. Lohnenswert ist etwa ein Spaziergang zur Ruine Stein, von wo aus man eine schöne Aussicht auf Baden geniesst. Von der Stadt aus sind dazu 440 Treppenstufen zu erklimmen. Von dort aus lässt sich auf dem Juraausläufer je nach Fitness weiterwandern. Da und dort, etwa beim eine knappe Wanderstunde entfernten besteigbaren Wasserturm Baldegg, bieten sich in den Wäldern rund um Baden auch Rastmöglichkeiten an.

Die Ruine zeugt von der alten Geschichte Badens. Sie ist nur eines der zahlreichen historischen Zeugnisse aus dem Mittelalter, der Zeit der Römer oder der Eidgenossenschaft. Es gibt diverse Stadtführungen zu unterschiedlichen Themen, unter anderem wird auch eine Stadtführung für Schulklassen angeboten. Dabei lernt man nicht nur die vielfältige Geschichte der Stadt kennen, sondern erhält auch Einblick in die verschiedenen Zeitepochen. 

Bekannt ist Baden zudem als Bäderstadt. Bereits die Römer haben in den warmen Quellen gebadet. Auch dazu gibt es eine Führung, die mit einem Sprung in einen der öffentlichen heissen Brunnen abgerundet werden kann. Das natürliche Thermalwasser ist zwischen 37 und 43 Grad warm.

Nützliche Informationen

Die Ausstellung «Rakete, Mond und Sterne» eignet sich für Kindergarten sowie Unter- und Mittelstufe. Das Museum bietet dazu auch eine rund zweistündige Führung inklusive Workshop für Schulklassen an. Sie kostet 250 Franken. Führungen sind auf Voranmeldung während der ganzen Woche und auch ausserhalb der regulären Öffnungszeiten möglich. Ab dem 20. April 2026 kann gegen einen Aufpreis von 150 Franken eine Virtual-Reality-Experience dazugebucht werden. Angeboten wird dies jeweils am Mittwochmorgen und ab der dritten Klasse. Die Führung verlängert sich dadurch um eine halbe Stunde. Das Museum ist vom Bahnhof Baden in einer Viertelstunde zu Fuss erreichbar. Mehr Informationen: kindermuseum.ch

Autor
Jacqueline Schreier

Datum

25.03.2026

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